Die Autobahn, ein Albtraum

Baustellenbereiche werden Todesstrecken bleiben

Die Westautobahn zwischen Salzburg und Wien hat sich von einer hochrangigen Verkehrsverbindung längst in einen Albtraum für Motorisierte verwandelt. Aus diesem bösen Traum wird es auch in den nächsten zehn Jahren noch kein erleichtertes Erwachen geben. Aber immer wieder Katastrophen wie das gestrige Busunglück in Niederösterreich.
Die älteste Autobahnstrecke Österreichs ist ein permanenter Sanierungsfall. Zu einem Großteil gebaut und ausgestattet mit den Techniken und den Materialien von vorgestern, über Jahrzehnte hinweg nur mit der Fleckerlteppich-Methode repariert, manchmal auch mit un-oder wenig tauglichen Mitteln. Schon zu einer Zeit, als noch neue, andere Autobahnen finanziert werden konnten, war die Weststrecke, die wichtigste und meistfrequentierte in Österreich, ein Patient, an dem zwar ein bisschen herumgedoktert wurde, der aber nie geheilt wurde.

Der Verkehr ist seither lawinenartig angeschwollen, vor allem der Schwerverkehr. Unter dessen immer massiveren Tonnenlasten zerbröselte die Autobahn schließlich so sehr, dass großflächige und intensive Reparaturen, die praktisch schon einem halben Neubau gleichkommen, zum nicht mehr übersehbaren Gebot wurden. Daher haben wir jetzt seit Jahren das gleiche Bild: zahllose Baustellenabschnitte, bis zu zehn Kilometer lang, mit Gegenverkehrsbereichen, in die notdürftigst vier schmale Spuren eingezwickt wurden, weil sonst der Stau zur Norm und die Bewegung zur Ausnahme würde.
Seit ein, zwei Jahren vergeht auf dieser durch ein paar frei befahrbare Stücke unterbrochenen Dauerbaustelle kaum ein Tag ohne Unfall mit Lastwagen. In den vergangenen Monaten hat sich mit erschreckender Deutlichkeit erwiesen, dass vor allem die Gegenverkehrsbereiche, in denen die Fahrzeuge auf beängstigend kleine Distanz zusammenrücken müssen, zu wahren Todesstrecken wurden. Nicht immer, aber immer öfter kommen dabei Unschuldige ums Leben. Wo nur wenige Zentimeter den Unterschied zwischen Leben und Verletzung oder Tod ausmachen, genügt eine winzige Unachtsamkeit, ein minimaler Schlenkerer für eine Katastrophe.
Die Fahrbahntrennung durch massive Beton-Mittelleitschienen kann zwar das Risiko verringern, ist aber weder das Allheilmittel noch aus Platzgründen bei jeder Baustelle praktizierbar. Die Tempolimits, abwechselnd zwischen 60 und 80 pendelnd, werden noch immer vielfach ignoriert, kaum kontrolliert. Die fast flehentlichen Schilder, in den Engstellen das Überholen von Lastwagen überhaupt sein zu lassen oder es nur mit höchster Vorsicht anzugehen, sind nichts anderes als kaum verhüllte Eingeständnisse der Hilflosigkeit.

Bessere Markierung und Linienführung in Baustellenbereichen sind zweifellos erforderlich. Das einzige wirksame Heilmittel in den Engstellen aber wären Disziplin und noch einmal Disziplin, angepasstes Tempo und Verzicht auf riskantes Überholen. Das sind jene Tugenden, die nach dramatischen Unfällen stets aufs Neue beschworen, aber nur von einer Minderheit beherzigt werden.

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