"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vergeltsgott" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 22.8.2000

Graz (OTS)- Der fromme Appell des Finanzministers an alle Dagoberts, auf die Beihilfen zu verzichten, war ein charmanter, pastoraler Marketing-Gag. Die freiwillige Kollekte, mit Klingelbeutel und Vergeltsgott, verrät die Ratlosigkeit der Regierung, die die Vermögenden zur Ader lassen will, aber nicht weiß wie.

Option eins: Eine Erhöhung der Spitzensteuer. Wäre absurd in einem Land, das die höchsten Steuersätze der Welt hat. Variante zwei: Die Beseitigung oder Besteuerung der Sozialleistungen bei den Reichen. Geht runter wie Honig, nur: Was heißt reich? Wo die Demarkationslinie ziehen?

Setzt man sie bei den sechsstelligen Monatssalärs an, wäre das zwar gerecht, aber unergiebig: Nur 83.000 Österreicher verdienen brutto mehr als eine Million im Jahr.

Geht man, wie von FPÖ-Seite ventiliert, herunter auf 43.000 Schilling, wäre das zwar ergiebig, aber nicht gerecht: Man träfe nicht die Reichen, sondern den Mittelstand, die Fleißigen und Tüchtigen, die Familien. Ein Alleinverdiener mit 43.000 Schilling, vier Kindern und einer zu Hause schuftenden Frau fiele unter die Armutsgrenze, verlöre er die staatlichen Beihilfen.

Robin Hood ist eine aufregende Rolle. Nur halt ein bissl schwer zu spielen. ****

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