EU-Erweiterungsserie: Musterkandidat Zypern

Wirtschaftlich sehr gut vorbereitet, politische Lage noch immer nicht geklärt

Wien (PWK700) - Zypern gilt zu Recht als einer der Musterknaben unter den EU-Beitrittskandidaten. Allerdings nur dann, wenn man die politisch nach wie vor ungelöste Situation nicht berücksichtigt, wie dies vor allem Griechenland fordert. "Rein wirtschaftlich gesehen, ergibt sich durchaus ein positives Szenarium. Mit einem Wirtschaftswachstum von 4,5 Prozent im Vorjahr liegt der Inselstaat über dem EU-Durchschnitt. Auch will Zypern bis Ende 2002 den gesamten Acquis in nationales Recht umgesetzt haben. 16 der 29 Verhandlungskapitel sind bereits abgehakt und die Zollschranken gegenüber der EU bis auf wenige Ausnahmen beseitigt", analysiert Österreichs Handelsdelegierter in Athen, Wilhelm Galathovics, den Status quo Zyperns auf seinem Weg in die Europäische Union.

Die zivilen Behörden funktionieren auf hohem Niveau, das Justizsystem ist tadellos und bei den Menschenrechten gibt es keine Probleme. Auch was die Erreichung der Maastricht-Kriterien betrifft, überwiegen die positiven Aspekte. "Die Staatsverschuldung bewegt sich knapp an der erlaubten Grenze von 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, wobei die Auslandsschulden gar nur 14,5 Prozent betragen. Die Landeswährung, das zypriotische Pfund, ist fix an den Euro gebunden und unterliegt daher gegenüber der Gemeinschaftswährung keinen Schwankungen mehr", berichtet Galathovics.

Die Inflation Zyperns lag 1999 bei 1,7 Prozent, ist jedoch im ersten Halbjahr des laufenden Jahres auf 4,5 Prozent (Maastricht-Kriterium:
max. 3,9 Prozent) angestiegen. Die Zinsen sind nach wie vor von der Zentralbank gesteuert, liegen allerdings noch über dem diesbezüglichen Referenzwert.

Als wundesten Punkt führt Galathovics das Budgetdefizit Zyperns an, das sich zur Jahresmitte 2000 auf 4,8 Prozent des BIPs beläuft und derzeit keine rückläufige Tendenz aufweist. "Um die geforderten 3 Prozent zu erreichen, sind daher noch größere Anstrengungen - sprich Einsparungen - notwendig. Weitere Schwächen in der zypriotischen Volkswirtschaft sind die zunehmende Abhängigkeit vom Fremdenverkehr und der strukturell bedingte Rückgang bei Industrie und Landwirtschaft", so der Handelsdelegierte.

Weitere Gespräche mit der EU werden noch über die Behandlung der 35.000 offshore-Firmen notwendig sein, obwohl Zypern auch hier bereits große Zugeständnisse gemacht hat.

Die hohe Anzahl der ausländischen Besucher, die praktisch das Dreifache der Einwohnerzahl - also über zwei Millionen pro Jahr erreicht - und die aufgrund der geringen Binnenproduktion hohe Importabhängigkeit, biete natürlich auch österreichischen Firmen die besten Voraussetzungen für Exporte nach Zypern, weist Galathovics hin. "Diese beschränken sich nicht nur auf Konsumgüter sowie den Neu-und Ausbau von Fremdenverkehrseinrichtungen, sondern inkludieren auch Infrastrukturprojekte wie Trinkwasser- und Energieversorgung, Bewässerungsprojekte, Kläranlagen sowie Abfallverwertung und -beseitigung."

ZUSATZINFORMATION: Interviews mit österreichischen Firmen, die am zypriotischen Markt aktiv sind und über ihre praktischen Geschäftserfahrungen in Zypern berichten, finden sie heute im Internet auf der Homepage der Wirtschaftskammer Österreich http://wko.at

Morgen setzt die EU-Erweiterungsserie mit einem Bericht über Slowenien fort. Insgesamt wird täglich bis zum 1. September je über einen Erweiterungskandidaten berichtet. (Ne)

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