OeNB - Die österreichische Zahlungsbilanz in den Monaten Jänner bis Juni 2000

Wien (OTS) - Um eine zeitnahe Information zur Verfügung zu
stellen, veröffentlicht die OeNB monatlich Cash-Daten der österreichischen Zahlungsbilanz jeweils ca. 6 Wochen nach Ende
des Berichtsmonats.

Für Jänner bis Juni 2000 ergab die Leistungsbilanz mit
-2,58 Mrd. Euro (35,5 Mrd. S) ein um 1,39 Mrd. Euro höheres
Defizit als im Vergleichszeitraum 1999. Der Anstieg des
Defizits resultiert im Wesentlichen aus dem ungünstigeren
Ergebnis der Teilbilanz Warenzahlungen; die Dienstleistungen
ergaben einen leicht geringeren Überschuss, die
Einkommensbilanz und die Bilanz der laufenden Transfers rückläufige Defizite.

Die schon in den Vormonaten beobachteten zweistelligen Zuwachsraten bei den Warenzahlungen setzten sich auch im Juni
fort. Im Berichtszeitraum Jänner bis Juni d.J. stiegen die Zahlungseingänge für Warenexporte um 17 % und die
Warenzahlungen für Importe um 20 %, woraus sich ein Defizit in Höhe von 3,87 Mrd. Euro errechnet (Vergleichbare Zuwachsraten werden derzeit auch im wichtigsten Handelspartnerland
Deutschland gemessen.). Wichtigste Kenngrößen dieser auf Zahlungsströmen basierenden Statistik sind die ablesbaren
Trends, die derzeit leicht höhere Steigerungsraten bei den Warenimporten als bei den Warenexporten anzeigen. Zweifellos
ist die spürbare Konjunkturbelebung Österreichs und seiner Haupthandelspartner bedeutendster Faktor für die Außenhandelsbelebung, dazu kommen der US$-Kursanstieg und die
im Vergleich zu 1999 höheren Rohölpreise, die die
Importzahlungen zusätzlich nach oben trieben.

Die wichtigste Komponente der Dienstleistungsbilanz, der Reiseverkehr, zeigt durch den starken Anstieg der Reiseverkehrsausgaben (+11 %), bei einer Zuwachsrate der Reiseverkehrseinnahmen von nur 5 %, mit 1,44 Mrd. Euro einen niedrigeren positiven Saldo als in der Vorjahres-
vergleichsperiode.

Das Nettodefizit in der Einkommensbilanz lag mit
-0,39 Mrd. Euro unter demjenigen der Vergleichsperiode des
Vorjahres (-0,54 Mrd. Euro). Die höheren Nettoabflüsse aus Direktinvestitionseinkommen wurden durch niedrigere
Nettozahlungen in der Position Einkommen aus Portfolio-investitionen und den Nettozuflüssen der Einkommen aus
Sonstigem mehr als kompensiert.

Das Defizit der Laufenden Transfers war mit -0,91 Mrd. Euro geringer als in der Vergleichsperiode des Vorjahres
(-0,94 Mrd. Euro), jenes der Vermögensübertragungen mit
-0,15 Mrd. Euro höher (Vergleichswert 1999: -0,07 Mrd. Euro).

Die Kapitalbilanz ergab im Berichtszeitraum einen Nettokapitalimport von 2,38 Mrd. Euro.

Wesentlichste Bestimmungsgrößen für dieses Ergebnis waren
die Saldendrehung bei Direktinvestionen auf Nettozuflüsse, die Verdoppelung der Nettokapitalimporte aus Sonstigen
Investitionen und die deutliche Verringerung der Nettoabflüsse
aus Portfolioinvestitionen.

Die Direktinvestitionen des Auslands waren im
Berichtszeitraum mit 1,15 Mrd. Euro deutlich höher, die Direktinvestitionen Österreichs im Ausland mit 0,96 Mrd. Euro
etwas niedriger als in der Vergleichsperiode 1999.

In der Teilbilanz Portfolioinvestitionen stand dem Erwerb
von ausländischen Wertpapieren durch österreichische Anleger in Höhe von 15,42 Mrd. Euro (etwa gleich hoch wie von Jänner bis
Juni 1999: 15,45 Mrd. Euro) ein deutlicher Anstieg der
Veranlagungen des Auslands in österreichische Titel gegenüber (14,20 Mrd. Euro gegenüber 11,55 Mrd. Euro im
Vergleichszeitraum 1999). Die Portfolioveranlagungen der Österreicher gingen deutlich vermehrt in ausländische Anteilspapiere (Jänner bis Juni 2000 6,38 Mrd. Euro; Vergleichsperiode 1999: 2,57 Mrd. Euro) und weniger in
Rentenwerte (Erwerb von langfristigen festverzinslichen
Wertpapieren im Berichtszeitraum: 9,04 Mrd. Euro gegenüber
12,88 Mrd. Euro in der Vergleichsperiode). Für ausländische Anleger war gemessen am aktuellen Ergebnis (13,49 Mrd. Euro gegenüber 10,38 Mrd. Euro von Jänner bis Juni 1999) der Erwerb
von österreichischen Rentenwerte sehr attraktiv.

Die Kapitalströme unter dem Titel Sonstigen Investitionen (überwiegend das Ergebnis der grenzüberschreitenden Einlagen-
und Kreditbewegungen des Bankensystems) ergaben einen Nettokapitalimport von 2,94 Mrd. Euro.

Die Transaktionen in den übrigen Positionen der
Kapitalbilanz zeigten einen Nettokapitalimport von insgesamt
0,47 Mrd. Euro gegenüber 1,79 Mrd. Euro im Vergleichszeitraum.

ZAHLUNGSBILANZDATEN FÜR
Juni Jänner bis Juni 2000 1999 2000 1999
in Mrd Euro

Leistungsbilanz .......... -0,23 0,34 -2,58 -1,19 ---------------------------------------------------------------

Warenzahlungen ......... -0,30 -0,12 -3,87 -2,32 Eingänge ............ 6,26 5,91 36,05 30,84 Ausgänge ............ 6,56 6,04 39,92 33,15 Dienstleistungen ....... 0,12 0,28 2,59 2,61 Eingänge ............ 2,01 1,95 11,80 10,96 Ausgänge ............ 1,89 1,67 9,21 8,36 hievon: Reiseverkehr .. -0,23 -0,02 1,44 1,59 Eingänge ............ 0,75 0,80 5,66 5,40 Ausgänge ............ 0,98 0,82 4,22 3,81 Einkommen .............. 0,14 0,26 -0,39 -0,54 Eingänge ............ 1,21 0,93 5,64 4,36 Ausgänge ............ 1,07 0,68 6,03 4,90 Laufende Transfers ..... -0,20 -0,07 -0,91 -0,94 Eingänge ............ 0,16 0,24 1,41 1,32 Ausgänge ............ 0,36 0,31 2,31 2,26 ---------------------------------------------------------------

Vermögensübertragungen ... -0,05 -0,01 -0,15 -0,07 ---------------------------------------------------------------

Kapitalbilanz ............ 1,24 -0,27 2,38 -0,83 ---------------------------------------------------------------

Direktinvestitionen .... 0,09 -0,29 0,19 -0,25 Portfolioinvestitionen . -1,67 0,48 -1,22 -3,90 Sonstige Investitionen . 2,80 -1,23 2,94 1,52 Finanzderivate ......... -0,16 -0,71 0,20 -0,02 Offiz.Währungsreserven 1) 0,18 1,47 0,27 1,81 ---------------------------------------------------------------

Statistische Differenz ... -0,96 -0,07 0,35 2,09 ---------------------------------------------------------------

1) Zunahme: -; Abnahme:+.
Rundungen können Rechnungsdifferenzen ergeben

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