"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die bitteren Lehren" (von Monika Dajc) Utl.: Ausgabe vom 21. 8. 2000¶

Innsbruck (OTS) - So massiv hat noch kein Unglücksfall die Schwächen und Übel eines Landes bloßgelegt. Das neue Russland bleibt bis auf weiteres eine Fiktion. Das politisch-militärische Führungspersonal ist unverändert tief in den Denkkategorien der Sowjetzeit verhaftet: Vertuschen gilt ihnen mehr als Hilfe, Menschenleben zählen im Kampf um Prestige nichts. Einzige wohltuende Ausnahme: Eine allmählich schonungslos formulierende öffentliche Meinung.

Der Tschetschenien-Kriegsherr Putin fand international mit modernen Sprüchen Wertschätzung. Bei seinen Landsleuten pflegte er mit TV-gerechten Karateschlägen das Bild vom starken Mann. In der ersten Bewährungsprobe hat er kläglich versagt. Erfahrung, Verantwortung und Sensibilität sind es eben, die an die Spitze katapultiertes Mittelmaß aus der KGB-Schule der Spione vom wirklichen Staatsmann unterscheiden.

Das Ausland wird gut beraten sein, die jüngsten bitteren Lehren ernst zu nehmen. Es geht um mögliche weitere Gefahren aus neuer und schon lange in den Tiefen des Nordens lagernder Rüstung ebenso wie um die Glaubwürdigkeit russischer Politik insgesamt. Helmut Schmidt ätzte einst gegen die UdSSR als "Obervolta mit Atomwaffen". Putins Russland ist ein technologisch rückständiges, von autoritären Strukturen durchzogenes Land mit ungebrochenen Supermachtambitionen. Mitten im tiefsten Desaster besteht Putins Chance in den richtigen und langfristigen Konsequenzen. Die "Kursk" galt vielen als Inbegriff für den Wiederaufstieg des Landes. Ihr Untergang muss zur Neubesinnung zwingen.

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