Hauptsache Kunst

Das Musiktheater braucht Phantasie und Experiment
Von Silvia Kitzmantel

Mit dem Linzer Musiktheater bietet sich für Linz und das Land Oberösterreich die einmalige Chance, einen weit über die Grenzen hinweg beachteten Jahrhundertbau zu errichten. Nach jahrelangen Standorterwägungen und -prüfungen ist die Entscheidung für den Bau in den Linzer Schlossberg gefallen. Eine architektonisch und städtebaulich höchst interessante Entscheidung, die bei sämtlichen im oö. Landtag vertretenen Parteien Ð ausgenommen die FP, die gegen einen Theaterneubau ist Ð Konsens gefunden hat. Das Theater im Berg bietet ein wunderbares Panorama auf die Donau und Linz-Urfahr, die Anbindung an die historische Altstadt ist ebenso gegeben wie die Verbindung zum Schlossmuseum. Die geplante ãKulturmeileÒ an der Donau nimmt Gestalt an: vom Musiktheater über das Ars Electronica Center, das ãLentosÒ, das Museum für zeitgenössische Kunst, bis hin zum Brucknerhaus.
Doch nun ist auch über Inhalte zu diskutieren. Über künstlerische Zielsetzungen und Visionen. Das Landestheater Ð müßig, die dortigen Arbeitsbedingungen und Unzumutbarkeiten für das Publikum zum ungezählten Male zu wiederholen Ð bekommt am jetzigen Standort die Möglichkeit, neben den Kammerspielen auch das Große Haus dem Schauspiel zu widmen. Das Theater im Berg ist der Platz für Oper, Musical, Musiktheater und Ballett. Somit ist auch die zeitgemäße und zukunftsorientierte Form eines neuen Landestheaters gegeben, die in der Trennung von Schauspiel und Musiktheater liegt.

Künstlerisch muss sich das Musiktheater aber erst positionieren:
nicht zwischen Salzburg (Festspiele) und Wien (Staatsoper), sondern als eigenständiges Haus mit außergewöhnlichen und qualitätvollen Produktionen. Bereits im Vorfeld muss klar sein: Das Theater im Berg ist nicht nur architektonisch, sondern auch und vor allem künstlerisch einzigartig. In Zahlenspielen darf die Kunst nicht Nebensache sein. Denn nur sie kann diesem Jahrhundertbau in einem kulturell vielfältigen und lebendigen Bundesland Leben und Positionierung geben.
Dazu bedarf es der Professionalität und der Phantasie der Theatermenschen. Das derzeitige Musik- und Gesangsensemble am Landestheater ist von hervorragender Qualität. Das Ballettensemble von beachtenswertem Niveau. Das Schauspielteam kann locker dem überregionalen Vergleich stand- halten. Regie und Dramaturgie sind professionell, mutig und experimentierfreudig. Ab 2002 kommt mit dem Engagement von Dennis Russel Davies als neuem Chef des renommierten Bruckner-Orchesters ein international anerkannter und tätiger Dirigent in die Stadt. Somit also die besten Voraussetzungen für spannendes Theatererleben. Die Theater-Intendanz ist es, die das Wagnis Musiktheater künstlerisch zu verantworten hat Ð der Theatererhalter hat die Kür des Intendanten zu verantworten. Und die Weichenstellung dafür muss jetzt geschehen.
Das inhaltliche Konzept für das Musiktheater muss heißen: Kunst in all ihrer faszinierenden und überwältigenden Bandbreite von der unterhaltsamen Fröhlichkeit bis zum radikalen Experiment. Dafür bedarf es keiner Zahlenspiele, sondern einzig und allein der Künstlerschaft und ihrer Ideen.

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