DER STANDARD bringt in seiner Freitag-Ausgabe zur PSK-Übernahme durch die Bawag: Politische Motive sind hinter dem Deal nicht zu erkennen. Die Neuordnung der österreichischen Banken ist längst keine

Frage der Gesinnung mehr, sondern des Rechenstifts. Erschienen:18.08.2000

Wien (OTS) - Rechenstift hat Politik abgelöst
Rot und Schwarz spielen nur mehr in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung eine Rolle - Michael Hann =

Die Übernahme der "schwarzen" Creditanstalt durch die
"rote" Bank Austria vor drei Jahren hat noch beträchtliche Irritationen bei der ÖVP ausgelöst, die dazu führten, dass politische Abmachungen über Behaltefristen für Mitarbeiter getroffen wurden. In der Zwischenzeit ist die einstige "monetäre Visitenkarte Österreichs" (Copyright Hannes Androsch) zur reinen Inlandsbank degradiert worden und der neue Mehrheitseigentümer selbst in bayrische Hände geraten.

Mit der Postsparkasse hat sich der Staat als Eigentümer nun von seinem letzten Kreditinstitut getrennt. Wieder gab es Rätselraten, ob die rote Bawag, die schwarze Volksbank oder die Schwarzen unter dem grünen Giebelkreuz, die Raiffeisen-Gruppe, den Zuschlag bekommen werden. Zumal die Entscheidung bei einem rot-schwarzen "Proporzzeit-Pärchen" lag, wie es die blauen Freiheitlichen sehen, nämlich den ÖIAG-Vorständen Rudolf Streicher und Johannes Ditz, die allerdings einen Aufsichtsrat über sich haben, bei dem sehr viele Mitglieder der FP nicht gerade feindlich gesinnt sind.

Beide strategischen Konzepte, die die Öffentlichkeit im Detail nicht kennt, waren gleich gut, sagt Rudolf Streicher, der sie kennen muss. Daher war der Zuschlag jenem zu geben, der mehr bot. Und das war mit einem Kaufpreis von 17,6 Milliarden Schilling die Bawag, die damit, wie es nun aus der Volksbank heißt, gut 800 Millionen über ihrem Konkurrenten lag.

Raiffeisen trat erst gar nicht in den Ring. Angeblich, so verraten Insider, war Generalanwalt Christian Konrad das Hindernis, ein enger Freund von Bank-Austria-Chef Gerhard Randa und damit, so schätzen zumindest einige grüne Riesen ihn ein, ein "Feind" von Helmut Elsner. Konrad hätte gerne in Partnerschaft mit der Bank Austria die P.S.K. übernommen. Nachdem dies nicht mehr ging, soll er die Basis mobilisiert haben. Eine geheime schriftliche Abstimmung, so wird berichtet, habe eine Zustimmung von 65 Prozent für ein Übernahmeangebot ergeben, ausgemacht war aber ein Quorum von 75 Prozent. Nicht alle grünen Riesen gaben sich aber geschlagen. Der Chef der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, hatte vor dem Zuschlag an die Bawag etwas kryptisch erklärt, für ihn sei das Kapitel Postsparkasse noch nicht beendet. Details, die offenbar auf Gespräche mit Elsner hinauslaufen, werde er zu einem späteren Zeitpunkt eröffnen.

Die Volksbanken-Gruppe wiederum hatte außer dem finanziell schlechteren Angebot auch die Bedingung gestellt, gleichzeitig auch die Post-Versicherung mehrheitlich zu übernehmen, die zu 40 Prozent der Postsparkasse und zu 60 Prozent der Post gehört. Wohl zum Nutzen ihres Partners, der deutschen Versicherungsgruppe Ergo. Die Bawag hingegen hielt sich in ihrem Offert zurück und will mit ihrem Versicherungspartner Allianz erst nach der P.S.K.- Übernahme getrennt über die Post-Versicherung verhandeln.

Auch aus der Sicht der Post ist die Bawag der interessantere Partner. Denn möglicherweise kann die Bawag dazu beitragen, dass die Post mehr Ämter auf dem flachen Land erhalten kann, wenn einfache Produkte auch von Briefträgern verkauft werden und damit die Wertschöpfung erhöht wird. Das Netz von 2300 Filialen wird aber sicher nicht voll erhalten bleiben.

Wohin man auch blickt, politische Motive sind hinter dem Deal nicht zu erkennen. Es wäre auch sonderbar, wenn in der roten Bawag der schwarze Stephan Koren Karriere macht, die er nun im Vorstand der Postsparkasse fortsetzt, und vielleicht den roten Max Kothbauer als Chef beerbt. Und schließlich ist die Bawag zwar noch mehrheitlich in Händen des roten ÖGB, die Strategie bestimmt aber die schwarze Bayrische Landesbank.

Die Neuordnung der österreichischen Banken ist längst keine Frage der Gesinnung mehr, sondern des Rechenstifts. Schwarz und Rot spielen weiterhin eine Rolle, aber nur noch in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung.

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