WirtschaftsBlatt über das Defizit Defizit: Der kleine Unterschied von Plus und Minus von Jens Tschebull

Wien (OTS) - Ein vernünftiges finanzpolitisches Ziel wie das Null-Defizit, das auch noch leicht verständlich ist und daher bei den Wählern ankommt, wird automatisch zum Opfer des Beissreflexes der Kampfhunde unter den oppositionellen Politikern und Kommentatoren. Da wird herablassend über die "geistige Fixierung auf ein Null-Defizit" gespöttelt. und ehemalige Finanzminister mit Verschuldungsvergangenheit von Vranitzky über Lacina bis Edlinger beweisen mit der Division von Äpfeln durch Birnen, dass Defizite halb so schlimm sind. Man müsse sie nur in Beziehung zu den Finanzsünden anderer Staaten oder zum Wachsen des Nationalproduktes setzen, und schon erscheinen sie kleiner. Sogar die Betriebswirtschaft wird in die kameralistische Ausgaben-Einnahme-Rechnung des Staates transplantiert, um Schulden für langfristige öffentliche Investitionen zu rechtfertigen. Bei dieser gedanklichen "Aktivierung" von staatlichen Investitionsgütern wird allerdings geflissentlich verabsäumt, als Gegenposition auch die Wertminderung bröselnder Autobahnbrücken, rostender Bundesheer-Panzer und vergammelnder Nebenbahnen entsprechend zu berücksichtigen. Zu jeder "Aktivierung" von Wirtschaftsgütern gehört aber auch eine "Abschreibung für Abnutzung". Vor allem aber wird von den Kritikern des Nulldefizites der feine Unterschied zwischen Plus und Minus grosszügig übersehen oder geleugnet: Um vom Minus ins Plus zu gelangen, muss eben die Nulllinie überschritten werden. Nur jenseits der Nulllinie, des Nulldefizites, bei der "positiven Null", beginnt Österreichs Weg aus der Schuldknechtschaft, in der wir jährlich 100 Milliarden Schilling Zinsen zahlen. Aber das Rechnen mit positiven und negativen Zahlen ist schon in der Volksschule für viele eine hohe Barriere, die durch boshafte Lehrer noch erschwert wird. Die Verursacher und Freunde der alten Defizite und Skeptiker des Nulldefizites bringen Verwirrung in den einfachen Sachverhalt von Plus und Minus. Sie scheinen auch auf Verwirrung aus zu sein und argumentieren hintenherum wie der ungeschickte Lehrer, der die negativen Zahlen zu erklären versucht:
"Wenn in einem Autobus zehn Leute sitzen und zwölf aussteigen, müssen zwei einsteigen, damit keiner mehr drinnen ist". (Schluss) JT

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