Nimmt Regierung die Gesundheit der Arbeitnehmer nicht ernst?

ÖGB-Driemer: "Prävention ist die beste Gesundheitsinitiative"

Wien (GBH/ÖGB). Johann Driemer, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Bau-Holz (GBH) und ÖGB-Vizepräsident, erinnerte anlässlich der Wettervorhersage für die nächsten Tage an die Initiative der Gewerkschaft Bau-Holz gegen die Gefährdung durch bodennahes Ozon und UV-Strahlung. Driemer erinnert aber auch daran, dass BauarbeiterInnen in Österreich jene Berufsgruppe sind, die, wie Unfallstatistiken belegen, der höchsten Unfallgefährdung ausgesetzt sind.++++

Ozongefahr am Bau

"Es ist bedenklich", so Driemer, "dass die Bundesminister Dr. Sickl und Dr. Bartenstein bis heute nicht auf die Initiative der Gewerkschaft Bau-Holz gegen die Gesundheitsgefahren für BauarbeiterInnen durch bodennahes Ozon reagiert haben." Die GBH fordert bekanntlich schon seit Jahren die Einbeziehung der Gesundheitsgefährdung durch bodennahes Ozon in die Regelungen des Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetzes. Bereits seit 1996 liegt ein von der GBH erarbeiteter Gesetzesentwurf zur Umsetzung dieser Forderung vor, der damals an der Haltung der Arbeitgeberseite gescheitert war.

Anfang dieses Sommers hat die GBH nunmehr gemeinsam mit Partnern eine Initiative zur Aufnahme der Ozonbelastung in dieses Gesetz gestartet. Driemer weiter: "Es ist unverständlich, dass die BauarbeiterInnen ihre Gesundheit für die Untätigkeit der Bundesregierung und die Weigerung der Arbeitgeberseite ihrer Verantwortung für die ArbeitnehmerInnen nachzukommen, riskieren sollen."

UV-Strahlengefahr am Bau

Gerade BauarbeiterInnen, die durch ihre Arbeit im Freien oft und lange einer intensiven UV-Strahlung ausgesetzt sind, tragen auch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko auf Grund dieser Strahlung. Die Krankheitserscheinungen auf Grund von UV-Strahlung reichen von Sonnenbrand über Sonnenalergie bis hin zur Schneeblindheit und Hauttumoren.

Die GBH informiert deshalb die BauarbeiterInnen intensiv über geeignete Schutzmaßnahmen. "Wir empfehlen den BauarbeiterInnen geeignete Kleidung zu tragen, die Verwendung von Schutzbrillen und Sonnenlotion", erklärt Driemer. "Wir appellieren aber auch an die Arbeitgeber, ihren ArbeitnehmerInnen entsprechende Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen", so Driemer weiter.

Arbeit darf nicht krank machen

Driemer erinnert jedoch auch an die nach wie vor hohen Gesundheitsrisken, die BauarbeiterInnen bei ihrer Arbeit durch Unfälle und durch schwierige Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Die größte Gefährdung geht von der schweren körperlichen Belastung aus. BauarbeiterInnen leiden deshalb oft unter Erkrankungen des Stützapparates. Die Initiative der GBH gemeinsam mit der Österreichischen Zementindustrie zur Reduzierung der Sackgewichte von früher 50 Kilogramm auf nunmehr 25 Kilogramm, war ein wesentlicher Meilenstein im Bereich der Gesundheitsvorsorge für BauarbeiterInnen. Driemer weist aber darauf hin, dass auch bei den anderen Baustoffgewichten noch Handlungsbedarf gegeben ist.

Weitere wichtige Ursachen für den hohen Anteil von BauarbeiterInnen, die in Invaliditätspension gehen müssen, sind Herz-Kreislauferkrankungen, Hautschäden, Stress, Zeitdruck und Lärm.

Driemer: "Allein die Folgekosten von arbeitsbedingten Krankheiten und Unfällen am Bau machen wie eine von der Gewerkschaft Bau-Holz in Auftrag gegebene Studie belegt, in Österreich volkswirtschaftlich gerechnet jährlich 17 Milliarden Schilling aus."

Driemer abschließend:

+ die präventive arbeitsmedizinische Betreuung muss radikal verbessert werden,
+ angehende BauarbeiterInnen müssen schon in der Lehrlingsausbildung individuell medizinisch beraten werden und mit optimalen Hebetechniken vertraut gemacht werden - diese Betreuung muss das ganze Berufsleben fortgesetzt werden,
+ die permanente Weiterbildung der Baukoordinatoren muss forciert werden,
+ die Selbstbehalte bei Ambulanzbesuchen müssen noch vor ihrem Wirksamwerden wieder abgeschafft werden und
+ die Eingliederung des Arbeitsinspektorates in das Wirtschaftsministeriums muss rückgängig gemacht werden. (ew)

ÖGB, 17. August 2000
Nr. 682

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