AK OÖ: Die Einkommensverteilung in Österreich wird immer ungerechter

Linz(AKO) "Österreich war noch nie so reich wie heute. Dennoch geht der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen seit Jahren zurück", schlug AK-Präsident Hubert Wipplinger heute bei einer Pressekonferenz in Linz Alarm. Wipplinger forderte kräftige Erhöhungen der Arbeitnehmereinkommen in allen Branchen.

Österreich hat sich in den letzten Jahrzehnten nach Dänemark und Luxemburg zum drittreichsten Land in der Europäischen Union entwickelt und auch gegenüber den USA kräftig aufgeholt. Dennoch ging die Lohnquote, das heißt: der Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen, von 1993 bis 1998 von über 73 Prozent auf 71 Prozent zurück. Und das, obwohl sich die gesamte Lohn- und Gehaltssumme heute auf viel mehr Arbeitnehmer verteilt. Denn die Zahl der Arbeitnehmer ist seit 1981 um mehr als 300.000 gestiegen. Bereinigt man die Lohnquote um diesen Faktor, betrug sie 1998 nur noch 67,6 Prozent des Volkseinkommens.

Wirtschaftliche Begründungen für diese Ungerechtigkeit gibt es nicht. Im Gegenteil: In keinem anderen Land der EU außer Portugal, das großen Nachholbedarf hat, ist die Produktivität der Arbeitnehmer im letzten Jahrzehnt ähnlich stark gestiegen wie in Österreich. Die Lohnstückkosten sind niedriger denn je.

Die Wettbewerbssituation österreichischer Unternehmen verbessert sich laufend und zahlreiche Unternehmen verbuchen Rekordgewinne. Unsere Wirtschaft wird heuer mit 3,5 Prozent so stark wachsen, wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Die Sachgüterproduktion wird sich sogar um 6,3 Prozent erhöhen, die Exporte gar um 10 Prozent. Die Auftragsbücher sind randvoll. Und während die Unternehmer den Arbeitnehmern Lohnzurückhaltung predigen, steigen die Managergehälter ins Astronomische. Topmanager in Österreich verdienen zwischen 7,5 Millionen und 15 Millionen Schilling und damit das bis zu 52-fache eines durchschnittlichen Arbeitnehmers.

"Wer also behauptet, Österreichs Unternehmen hätten hinsichtlich der Lohnkosten ein Wettbewerbsproblem, der lügt," sagte Wipplinger. "Das Gegenteil ist war. Noch nie war der Spielraum so groß, die Arbeitnehmer gerecht an den Produktivitätssteigerungen zu beteiligen."

Stattdessen will die Regierung den Arbeitgebern zusätzlich jährlich 15 Mrd. Schilling an Lohnnebenkosten schenken. Lohnnebenkosten, so Wipplinger, seien aber vorwiegend Arbeitgeberbeiträge zur sozialen Sicherheit und Wohlfahrt der Arbeitnehmer. Das Milliardengeschenk für die Unternehmer geht zum Großteil auf Kosten der Arbeitnehmer: Sie haben z.B. in Zukunft weniger Urlaub beim Arbeitgeberwechsel und müssen die Budgetlöcher durch höhere Steuern für Auto oder Strom stopfen.

Auf diese Politik, so Wipplinger, könne es nur eine Antwort geben:
"Die Löhne und Gehälter in Österreich müssen bei den bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen in allen Branchen wieder kräftig wachsen. Und wenn die Regierung den Arbeitgebern tatsächlich durch die völlig unnötige Senkung der Lohnnebenkosten 15 Mrd. Schilling schenkt und damit die Gewinne um diesen Betrag erhöht, müssen sie noch kräftiger wachsen."

Das sei nicht nur eine Frage der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch der wirtschaftlichen Vernunft, damit die Arbeitnehmer die erzeugten Produkte auch kaufen können.

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