Marchfeldschutzdamm: Platz für gefährdete Arten

Wien, (OTS) Er ist zwar ein technisches Bauwerk, hat aber ökologisch einen hohen Stellenwert und ist ein Beispiel dafür, dass menschliche Einflussnahme auf die Natur die Artenvielfalt
auch erhöhen kann: der Marchfeldschutzdamm, in Wien als Hubertusdamm bekannt, bietet vielen auf der "Roten Liste"
stehenden Pflanzenarten Platz. Im Zuge des europäischen Life-Projektes wurden zur Untersuchung des Lebensraumes Marchfeldschutzdamm von der Europäischen Union sogar ATS 500.000,-zur Verfügung gestellt.****

Über Geschichte und aktuelle Bedeutung des Dammes berichtete das Forstamt auch in der Publikation "Umweltschutz".

Die Donau und ihre unkontrollierbaren Überschwemmungen gaben den Anstoß für den Bau des Dammes. Denn die D immer wieder auftretenden Überschwemmungen richteten im 19. Jahrhundert vor allem in den tiefergelegenen Vorstädten Wiens verheerende Schäden an. Nach der Jahrhundertkatastrophe des Jahres 1830 gab es auch 1862 eine besonders starke Überschwemmung. Dies gab letztlich im Wiener Gemeinderat den Anstoß, dass Gegenmaßnahmen beschlossen wurden und am 14. Mai 1870 Kaiser Franz Josef I. höchstpersönlich den Spatenstich für die Donauregulierung vornahm. Der so genannte "Durchstich" bei Wien war 1875 abgeschlossen. Um Wien und die Marchfeld-Gemeinden aber nachhaltig vor Hochwässern zu schützen, musste linksufrig ein Damm - der Marchfeldschutzdamm - von Wien
bis zur Staatsgrenze gebaut werden. In Wien heißt dieser Damm -benannt nach seinem Erbauer - auch "Hubertusdamm". In drei
Bauphasen wurde der Damm 1884 bis Schönau, 1892 bis Witzelsdorf
und schließlich 1902 bis Markthof fertig gestellt.

Sieht man vom absolut verständlichen Ziel, Wien und die niederösterreichischen Marchfeldgemeinden vor Hochwässern zu schützen ab, kann aus ökologischer Sicht festgehalten werden, dass zwar wesentliche Teile des Augebietes vor Überschwemmungen geschützt, aber auch deren natürlichen Auendynamik gedämpft wurden. Der Damm selbst stellt allerdings einen immer seltener werdenden Lebensraum für Magerwiesen und Halbtrockenrasenarten
dar. Durch die erhöhte Lage zur Umgebung ist er besonders trocken und durch die regelmäßige Entfernung des Mähgutes extrem nährstoffarm. Die jährliche Mahd des Dammes ist deshalb vorgeschrieben, um ihn frei von Bewuchs und daher vor Zersetzungsgefahr zu schützen. Diese Besonderheit bedeutet aber nicht, dass hier nur wenige Pflanzenarten vorkämen. Ganz im Gegenteil. Eine in den Jahren 1992 bis 1994 durchgeführte Kartierung ergab, dass sich entlang des Dammes 437 verschiedene Pflanzenarten befinden. Davon stehen bereits 48 auf den "Roten Listen" gefährdeter Pflanzen Österreichs. Auch unter den noch nicht definitiv gefährdeten Arten sind viele, die gerade in der näheren Umgebung ihren ursprünglichen Lebensraum verloren haben. Die Pflanzen können allerdings durch die enorme Längsausdehnung des Dammes von einem sicheren Lebensraum relativ einfach neu entstandene Brachflächen im Augebiet besiedeln. Orchideenarten wie Helm-Knabenkraut, Brand-Knabenkraut und Spinnenragwurz oder das Bartgras haben hier einen wertvollen Refugiallebensraum. (Schluss) ma49/schma

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