ÖGB: Fachkräftemangel von Wirtschaft selbst heraufbeschworen

Durch Qualität in der Ausbildung Lücken schließen

Wien (ÖGB) "Dynamische Veränderungen in der Wirtschaft benötigen Bedarfsanalysen und eine Qualitätshebung in der Ausbildung", ist Mag. Ortrun Gauper, Leiterin des Referats für Berufsbildung des ÖGB, überzeugt. Jahrelang, so Gauper, hätte die Wirtschaft verabsäumt, Fachkräfte der Zukunft auszubilden. Vielmehr wurden zwischen 1990 und 1999 die Lehrstellen in Österreich um insgesamt 18.000 Plätze reduziert. "Noch immer gibt es keine Qualifikationsforschung in Österreich und die Wirtschaft selbst wartet mit konfusen Zahlen, die zwischen 6.000 und 100.000 fehlenden Fachkräften schwanken, auf."++++

"Nachdem 40,5 Prozent der ÖsterreicherInnen eine Lehre bevorzugen und nur 17,5 Prozent die Matura absolvieren, ist die Richtung der nächsten Jahre klar: Die meisten Fachkräfte kann die heimische Wirtschaft noch immer aus der Lehre rekrutieren." Doch eines steht für Gauper dabei fest: "Die Qualität der Lehre muss erhöht werden. Es ist eindeutig die falsche Richtung, Schmalspurberufe zu forcieren, die billige Arbeitskräfte produzieren und den Bedürfnissen der Zukunft keineswegs gerecht werden." Selbstständigkeit im Beruf, die Bereitschaft zur Weiterbildung, Kommunikations- und Artikulationsfähigkeit, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein seien wichtige Qualifikationen der Zukunft. Deshalb gelte es, so Gauper, den Jugendlichen eine möglichst breite Ausbildung zum Beispiel in Form von Gruppenlehren zu ermöglichen.

"Vorsichtige Schätzungen der Lehrstellensituation im Herbst lassen vermuten, dass etwa 4.000 Jugendliche trotz der Lehrgänge im Jugendauffangnetz keinen Ausbildungsplatz finden werden", erklärt Gauper. "Deshalb fordert der ÖGB die Schaffung des Berufsausbildungsfonds, der drei Zwecke auf einen Schlag erfüllen würde: die Sicherung der Lehrlingsausbildung und damit der Fachkräfte der Zukunft, eine Verbesserung der Qualität der Lehrlingsausbildung und der betrieblichen Weiterbildung, sowie eine gesicherte Innovationspolitik in Österreich."

Nicht einzusehen sei es, so Gauper, dass die Wirtschaft allein im Jahr 1999 rund 1,76 Mrd. S an Freibeträgen für die Lehrlingsausbildung kassiert hätte und damit nur 352 zusätzliche Lehrplätze geschaffen wurden, während die von der Regierung abgeschafften überbetrieblichen Ausbildungsplätze in den Stiftungen für 4.000 Jugendliche nur 700 bis 800 Mio.S im Jahr kosten. "Besonders in einem kleinen Land wie Österreich sind nicht kapitalintensive Technologien, sondern vielmehr die Ausbildung der ArbeitnehmerInnen ein entscheidender strategischer Vorteil", ist sich Gauper sicher.

Laut wissenschaftlichen Untersuchungen (OECD) seien heute nur noch 20 Prozent des wirtschaftlichen Produktivitätszuwachses auf gestiegenen Kapitaleinsatz zurückzuführen. "80 Prozent des Produktivitätszuwachses dagegen sind durch Bildung, Forschung und innovative Organisationskonzepte zu erklären. Eine vorausschauende Berufsausbildung könnte so viele Defizite in unserem Land schliessen. Wir dürfen Wissen nicht nur aus dem Ausland importieren. Qualifikationsforschung und ein Berufsausbildungsfonds - das ist der Schlüssel für die Zukunft." (aw)

ÖGB, 15. August 2000
Nr. 679

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