Der Standard-Kommentar: Gelbe Post: Blauer Brief (Von Luise Ungerboeck)

Ausgabe vom 10. 8. 2000

Wien (OTS) - Es ist kaum zu glauben: Bei der gelben Post mehren
sich die Anzeichen, dass von der Geschwindigkeit, dem Speed-Programm, nicht nur gesprochen wird. Die ersten Konzepte für konkrete Strukturmaßnahmen liegen vor, deren Inhalt ist für die sicherheitsverwöhnten Staatsdiener brisant: Sie müssen, wie die Berufstätigen auf dem freien Arbeitsmarkt auch, künftig um ihren Job bangen.

Deshalb hat auch das große Hauen und Stechen bereits begonnen: Wer darf in den sündteuren Vorruhestand, und wer muss mehr arbeiten beziehungsweise länger zur Arbeit fahren? Den Beamten kommt in ihrem durchaus verständlichen Abwehrkampf gegen den forcierten Stellenabbau zupass, dass die Modernisierungsmaßnahmen des Managements nur sehr zögerlich anlaufen. Gesamtkonzepte sind vermutlich vorhanden, werden aber nicht in der üblichen Weise verhandelt.

Zudem muss sich der Vorstand den Vorwurf gefallen lassen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken. Soll heißen: Die "kleinen" Postfüchse werden weniger, der Wasserkopf in der Wiener Postgasse schwillt hingegen an. Während binnen zweier Jahre 2000 Mitarbeiter ihre Dienstuniform abgegeben haben, wuchs die Zentrale um gut 300 hoch bezahlte Mitarbeiter an. Nun steht in den nächsten Monaten ein weiterer Personalabbau an. Mindestens 3000 Postler, die es sich nicht so gut richten können, werden von der gelben Post einen blauen Brief erhalten. Und das ist erst der Anfang.

Damit wird künftig auch bei der Post gelten: Weniger Leute müssen mehr arbeiten. Willkommen in der Realität. Nicht, dass das so schön wäre für jeden Einzelnen, aber der Staat kann und will sich dieses ineffiziente System nicht mehr leisten. Ohne Reform kann der Postfuchs auf freier Wildbahn nicht überleben. (Ende)

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