WirtschaftsBlatt über Sozialversicherung Krankenkassen brauchen Langzeittherapie von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Die Sozialversicherung eignet sich nicht für die tagespolitische Auseinandersetzung. Es gelingt allerdings eher, einem Hund beizubringen, dass er sich eine Knackwurst einen Tag lang aufheben soll, als Politikern beizubringen, reflexartige Äusserungen zu diesem Thema zu unterlassen. Das gilt auch für die Krankenkassen. Bei Änderungen ist Behutsamkeit ebenso notwendig, wie die Berücksichtigung der grossen politischen Kräfte. Die Sozialgesetzgebung nach jedem Regierungswechsel zu ändern, würde im Sozialsystem, das langfristige Entwicklungen berücksichtigen muss, ein Chaos auslösen. Noch ist die Sozialversicherung mit gesetzlicher Pensions- und Krankenversicherung ein wichtiger Grundpfeiler der Demokratie in Österreich. Menschen, die eine derartige Grundversorgung entbehren müssen, sind mit Sicherheit anfällig für radikale politische Gruppierungen. Allerdings ist der Einfluss der Parteipolitik auf die Sozialversicherung längst zu gross geworden. Theoretisch handelt es sich bei der Sozialversicherung um einen Selbstverwaltungskörper - allerdings täuscht diese Bezeichnung vor, dass die Versicherten (die die Kunden des Systems sind) einen Einfluss auf die Gestaltung und Gebarung der Pensionsversicherungen oder der Krankenkassen haben. Die jetzigen Repräsentanten der Versicherten in den Gremien der Sozialversicherung sind in letzter Konsequenz die langen Arme der politischen Parteien. Deren Interesse nach Machterhaltung lässt die Interessen der Versicherten eindeutig zu kurz kommen. Daher sind Änderungen notwendig. Auch bei den Krankenkassen. Auf der Grundlage einer medizinischen Mindestversorgung sollen die Krankenkassen durchaus in einen Leistungswettbewerb eintreten. Die Versicherten werden rasch merken, welche Krankenkasse ihnen das beste Preis-Leistungsverhältnis bietet. Diese Kassen werden mit Sicherheit einen regen Zulauf an neuen Kunden, d.h. Versicherten registrieren können. Alle anderen Kassen werden Kunden verlieren. Das wird unbelehrbare Polit-Funktionäre zwingen, ihre Machtpositionen aufzugeben, in die sie von den Parteien hineingehievt worden sind, oder sie werden umlernen müssen. Auch das wäre ein Erfolg. Denn in unserer westlichen Gesellschaft mit immer mehr älteren Menschen werden wir ein Krankenkassensystem benötigen, das weit leistungsfähiger ist als das jetzige. (Schluss) ejf

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