Maßnahmen gegen Hundebisse statt Pflege von Feindbildern: Eignungsprüfung für Hundehalter statt Verbot bestimmter Hunderassen

Jedes Jahr rund 3000 Bißverletzungen

Wien (OTS) - Jedes Jahr beißen Rex, Pluto und Co. rund 3000 Österreicher und Österreicherinnen so stark, daß die Wunden von einem Arzt versorgt werden müssen. Verletzt werden dabei meist Personen aus dem unmittelbaren Personenkreises des Hundehalters. (Quelle:
Unfallerhebungssystem EHLASS).

Zu den meisten Verletzungen kommt es, weil Hundebesitzer nicht genau wissen, wie Hunde zu führen sind, und weil Hunde nicht entsprechend abgerichtet sind. Hunde aller Rassen und Züchtungen mit schlechter, abgebrochener oder unausgewogener Erziehung bzw. Anpassung an menschliche Gesellschaft sind gefährlich. So kommt es vor, daß der "süße" Welpe, dem man alles erlaubt, bald glaubt zum "Rudelführer" geworden zu sein und seine Stellung mit Knurren und letztlich mit Bissen verteidigt, wenn sie ihm streitig gemacht wird. Besonders gefährlich sind dabei Tiere mit mangelhafter Schutz- oder Wachausbildung. Je größer das Tier, desto schwerer kann es theoretisch auch verletzen.

Kampfhunde werden nicht geboren, sondern erzogen

Da es die Rasse "Kampfhund" nicht gibt, ist es nicht möglich, allgemein bestimmte Hunderassen als gefährlich zu bezeichnen. Selbst einzelne Welpen eines Wurfes unterschieden sich im Verhalten oft erheblich. Der Begriff "Kampfhund" ist kein Rassenmerkmal, sondern eine Bezeichnung für entsprechend abgerichtete (und vielfach misshandelte) Tiere. Kampfhunde werden ebenso wie Rettungs-, Drogen-oder Blindenführhunde auf ihre Funktion trainiert. Bestes Beispiel für einen gut erzogenen Kampfhund ist Kommissar Rex, der Hund aus der bekannten Fernsehserie.

Der Mensch, nicht das Tier ist das Problem

Nicht die Rasse und deren Veranlagung ist ausschlaggebend für die Entstehung eventueller Probleme, sondern Charakter und fachliche Qualifikation der Hundehalter und -züchter. Kein Hund wird sich normal entwickeln, wenn er in die Hände von Züchtern und Haltern mit mangelnder Kenntnis über Erziehung, Ausbildung und Bedürfnisse eines Vierbeiners gelangt. Ein gut sozialisierter und erzogener Bull Terrier stellt keine größere Gefahr dar als ein ebenso aufgezogener Deutscher Schäferhund.

Zuchtverbote werden umgangen

Geforderte Zuchtverbote von bestimmten Hunderassen und - mischungen sind keine Lösung. Aus mindestens 150 der bekannten 400 Hunderassen lassen sich innerhalb weniger Hundegenerationen Mischlinge mit Eigenschaften züchten, die denen eines aggressiv gezüchteten Pitbull Terriers in nichts nachstehen. Es ist auch kein Problem, etwa Schäferhund, Dobermann oder Boxer durch einseitige Auswahl aggressiver Linien so scharf zu züchten, daß sie zur Gefahr werden. Folgerichtig müßten schon bald weitere Rassen auf die schwarze Liste gesetzt werden.

Sicher Leben-Forderungen

Hundehalter-Eignungsprüfung

Bei Vorlage einer abgelegten Begleithundeprüfung soll dem Hundehalter ein Teil der Hundesteuer erlassen werden. Die Prüfung können Hundeschulen abnehmen. Die Prüfung soll alle 3 Jahre wiederholt werden, eine Bescheinigung geht an die Behörde. Damit wird nicht nur die Umwelt vor unerzogenen Hunden, sondern werden auch die Tiere vor Mißbrauch geschützt. Für Hundehalter, die schon mehrere Jahre einen Hund ohne Zwischenfälle gehalten haben, kann eine Übergangsregelung getroffen werden.

Lockerung von Leinen- und Maulkorbpflicht:

Für entsprechend geschulte und geprüfte Hundehalter kann die gesetzliche Pflicht, ihre Tiere nur mit Leine und Maulkorb zu führen, aufgehoben werden - sofern die Hunde keiner aggressiven Zuchtlinie entstammen (Herkunftsnachweis, Chip) und bisher nicht auffällig waren. Damit können sich Tiere verantwortungsbewusster Hundehalter artgerechter bewegen. Für Welpen und Junghunde sind Leine und Maulkorb nicht gesetzlich vorgeschrieben, ein vernünftiger Hundehalter wird aber eine Leine zur Sicherheit des Tieres verwenden (damit es z.B. nicht auf die Fahrbahn läuft). Hunde älter als 9 Monate, die erzogen bzw. ausgebildet sind (Bestätigung über Hundeführerkurs, entsprechende Hundemarke) brauchen weder Leine noch Maulkorb.

Behördliche Kontrolle von Hundeschulen und Züchtern

Die Qualifikation der Hundeschulen und der Züchter soll behördlich kontrolliert werden. Dies kann über die bereits bestehende Struktur der Vereinen erfolgen. Nur wenn Hundeschulen die Auflagen einhalten, dürfen sie behördlich anerkannte Kursbestätigungen ausstellen. Nur wenn Züchter die Richtlinien (etwa nicht aggressive Hunde zu züchten), nachweislich einhalten dürfen sie jedem Tiere gegen Entgelt abgeben.

Eignungstests für Halter und Züchter von gefährlichen Hunden

Halter oder Züchter von Hunden, die einer aggressiven Zuchtlinie entstammen sowie Personen, die Hunde einer speziellen Ausbildung zum Sach- oder Personenschutz unterziehen wollen, sollen ihre charakterliche Eignung bei einer psychologische Verläßlichkeitsprüfung nachweisen (ähnlich wie bei der Waffenverlässlichkeitsprüfung). Erst dann dürfen sie bei autorisierten Einrichtungen (Vereinen) an einer Ausbildung teilnehmen. Hundesport soll nicht behindert werden, solange dabei nicht Aggressions- oder Beißhemmungen abgebaut werden (wie für Hundekämpfe).

Behördliche Kontrolle von Hundeschulen und Züchtern

Die Qualifikation der Hundeschulen und der Züchter soll behördlich kontrolliert werden. Dies kann über die bereits bestehende Struktur der Vereinen erfolgen. Nur wenn Hundeschulen die Auflagen einhalten, dürfen sie behördlich anerkannte Kursbestätigungen ausstellen. Nur wenn Züchter die Richtlinien (etwa nicht aggressive Hunde zu züchten), dürfen sie Tiere gegen Entgelt abgeben.

Leinen- und Maulkorbpflicht

Für die Verwendung von Leine und Maulkorb (auch ohne gesetzlicher Verpflichtung) sollen Richtlinien erarbeitet werden, welche den Gerichten als Entscheidungshilfen in Schadenersatzprozessen dienen können. Z.B. ist die Verwendung von Leine und Beißkorb an Orten angebracht, wo mit größeren Menschenansammlungen zu rechnen ist (z.B. öffentliche Verkehrsmittel). Diese Bestimmung kann auch erst ab einem Gewicht von 10 kg des Hundes angewandt werden, und gilt nicht für Hunde, die in einem Container (Käfig, Tasche, Auto) transportiert werden. Für Hunde, die nicht abgerichtet sind oder schon einmal gebissen haben soll weiter die unbedingte Leinen- und Maulkorbpflicht gelten. Eine ebenfalls unbedingte Leinen- und Beißkorbpflicht soll dort gelten, wo sie explizit verlangt ist (Zonenregelung).

Weitere Vorschläge:

- Förderung der Kennzeichnung aller Hunde durch Chip-Implantat nach ISO-Norm (in manchen europäischen Ländern bereits verpflichtend) oder Tätowierung.

- Ausbau des von den Vereinen geführten bundesweiten Registers, welches alle Hunde und Besitzer erfasst (einschließlich Information über Trainings und Zuchtlinie)

- Dokumentation der Weitergabe von Hunden (über vorhandene Gemeinderegister; darin soll auch die Hundeführerprüfung des Besitzers vermerkt sein)

- Verpflichtende Haftpflichtversicherung für alle Hundebesitzer · Verschärfung von Grenzkontrollen (Verhinderung des Imports von gefährlichen Hunden).

- Für Hunde, die über eine österreichische Grenze gebracht werden, soll die Chip-Pflicht eingeführt werden (wie bereits in einigen anderen europäischen Ländern).

- Für Welpen und Junghunde (bis zum 18.Monat) sind besondere Regelungen (Ausnahmen) erforderlich, um deren richtige Sozialisation zu fördern.

Kisser: Das Problem liegt am anderen Ende der Leine

"Mit dem sogenannten Kampfhund wurde eine Feindbild geschaffen, das in der heutigen Zeit ein ebenbürtigen Ersatz für den "bösen Wolf" ist. Trotz spektakulären Einzelfällen kommen die meisten Bissverletzungen aber nicht von den in Verruf geratenen Rassen. Das Problem aggressiver Hunde sind nicht die Tiere, sondern unbedarfte oder komplexbeladene Hundehalter und -züchter. Wenn jemand nachweislich gelernt hat, seinen Hund sicher zu führen, dann kann man ihm und dem Tier Leinen- und Maulkorbpflicht weitgehend erlassen. Bei einer solchen Hundehalter-Eignungsprüfung sollen aber die Zeitgenossen, die nicht über die charakterliche und fachliche Eignung verfügen, einen Hund sicher zu führen und artgerecht zu halten, ausgesiebt werden", meint Dr. Rupert Kisser, Leiter des
Institutes "Sicher Leben".

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