"Neue Zeit" Kommentar: "Schwarzer Peter" (von Gabriela Rumpelsberger)

Ausgabe vom 8.8. 2000

Graz (OTS) - Etwas Gutes hatte der wohl letzte Akt des leidigen Kasperltheaters um den Semmeringbasistunnel gestern dennoch. Der Teil der Steirer, der den Tunnel befürwortet, kann seinen Ärger nun wieder auf Niederösterreich richten. Nicht auf Bundeskanzler Schüssel, wie bis kurz vor der Ministerratssitzung angenommen werden konnte. Dass Landeshauptfrau Waltraud Klasnic Schüssel im letzten Moment durch stundenlange Telefonate doch noch auf die "steirische Seite" gezogen hat, darf jedoch bezweifelt werden. Das wusste der Kanzler schon selbst, dass er sich in Wahlzeiten - sei es auch "nur" in der Steiermark - nicht den Unmut der Steirer zuziehen und der den Umfragen nach hochfavorisierten Landeshauptfrau so in den Rücken fallen dürfe. Aber wer aus der VP-Riege könnte den ungeliebten Tunnel sonst verhindern? Minister Bartenstein fällt als Steirer aus, Bildungsministerin Gehrer wirkt ob ihres Ressort unglaubwürdig und Umweltminister Molterer wird sich wohl geweigert haben, ein derart verfassungswidriges Gesetz zu unterstützen. Ja, wer bleibt denn da noch? Der Innenminister, der günstigerweise auch noch Niederösterreicher ist, bekommt den Schwarzen Peter und darf so tun, als ob er einen ideologischen Alleingang vollbracht hätte. Der niederösterreichische LH Erwin Pröll wird frohlocken. Sein Umweltreferent tat dies angemessen: Der Schutz der Natur und die Bewahrung der Schönheiten des Landes seien für die kommenden Generationen garantiert. Dass der Semmeringstraßentunnel durch den gleichen Berg führt, tut diesen Schönheiten wohl keinen Abbruch.

Rückfragenhinweis: Neue Zeit,
Tel.: 0316/2808-306

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PNZ/OTS