Glawischnig: Temelin wird bereits nächste Woche aktiviert

EU-Kommission soll über tschechische Dumpingstromexporte Importverbot verhängen - Österreich muß Protest einlegen

Wien (OTS)- Laut Informationen aus verlässlichen tschechischen Quellen soll es bereits kommende Woche zur Brennelemente-Aktivierung des tschechischen Atomreaktors Temelin kommen und damit der Probebetrieb des umstrittenen Kernkraftwerkes früher aufgenommen werden als ursprünglich geplant. Bereits vergangenen Donnerstag wurde der Test des Containments abgschlossen, nun folgen die Phase der Erwärmung und ein letzter Sicherheitstest. "Mit Beginn des Spaltungsprozesses wurde ursprünglich erst Anfang September gerechnet. Das Tempo der Temelin-Betreiber ist höchst riskant", ist Eva Glawischnig, Umweltsprecherin der Grünen, schockiert.

"Die Temelin-Betreiber wollen offensichtlich die Sommerpause nutzen, um den Schrottreaktor möglichst widerstandslos zu aktivieren. Viele Sicherheitsfragen sind weiterhin völlig ungeklärt, immer noch ist eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung ausständig. Das Einschalten des Reaktors zum jetzigen Zeitpunkt ist absolut verantwortungslos", kritisiert Glawischnig. Die Grünen apellieren erneut an die österreichische Bundesregierung, sich endlich innerhalb der EU für eine entschiedene und klare Linie der EU gegen Temelin stark zu machen. Bundeskanzler Schüssel muß gegen die Aufnahme des Probebetriebes offiziell scharfen Protest beim tschechischen Premierminister Zeman einlegen.

Seit Monaten ungeklärt ist zudem der Verdacht auf tschechische Stromexporte in EU-Länder zu Dumpingpreisen. Laut aktuellen Zahlen liegt die Produktionskapazität des tschechischen Energieversorgers CEZ bereits jetzt um 30% über dem tschechischen Bedarf. Nach Inbetriebnahme des AKW Temelin wird die Überkapazität sogar auf 50% ansteigen. Der extreme Stromüberschuß kann nur im Export abgesetzt werden. "Sollte sich der dringende Verdacht, daß Tschechien mit EU-Billigstromexporten gegen EU-Wettbewerbsrichtlinien verstößt bestätigen, so müßte die EU ein Importverbot von tschechischen Strom in die EU verhängen", stellt Glawischnig fest. Die Temelin-Betreiber würden dann auf ihrem Strom sitzenbleiben, ein möglicher Sargnagel für das gefährliche Atomkraftwerk. "Die EU hat somit einen wichtigen Schlüssel in der Hand, um Temelin noch zu verhindern. Österreich muß jetzt rasch bei der EU-Kommission Druck machen, um den Dumingverdacht zu prüfen", fordert Glawischnig. "Die bisherige Strategie der Bundesregierung und der EU, mit windelweichen Erklärungen Temelin verhindern zu wollen, war erfolglos. Jetzt sind klare Worte gefragt. Auch die laufenden Beitrittsverhandlungen müssen als politischer Hebel gegen Temelin genützt werden. Für den Fall, daß Tschechien nicht einlenkt und Temelin wirklich in Betrieb nehmen will, sollte Österreich das vor dem Abschluß stehende Energiekapitel blockieren", so Glawischnig abschließend.

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