WGKK 1: Pressekonferenz "Auswirkungen der Ambulanzselbstbehalte auf die Versicherten"

Bittner: "Ambulanzselbstbehalt kostet mehr als er bringt"

Wien (OTS) - "Der Selbstbehalt trifft ausschließlich Kranke und entläßt die Arbeitgeber aus ihrer solidarischen Mitverantwortung Es ist verteilungspolitisch ungerecht, wenn zusätzliches Geld für die Krankenversicherung nicht von Gesunden und Kranken sowie Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgebracht wird, sondern nur von den Kranken" sagte der Obmann Wiener Gebietskrankenkasse Franz Bittner. "Nach den nun vorliegenden Berechnungen wird der Selbstbehalt rund 400 Mio. Schilling bringen aber rund 500 Mio. kosten"****

Besonders betroffen: Chronisch Kranke, Familien mit Kindern

Durch den Ambulanzselbstbehalt sind vor allem Menschen mit schweren oder seltenen Krankheiten, Menschen mit erhöhter Krankheitshäufigkeit (alte Menschen, chronisch Kranke), Menschen mit Nachbehandlungsbedarf nach einem Spitalsaufenthalt und - wie wir täglich in unserem Hanusch-Krankenhaus feststellen können -Migranten. Ein Alleinverdiener mit Kindern und mitversicherter Ehefrau muß das Krankheitsrisiko in seiner Familie besonders fürchten, da es ihm mehrere Tausend Schilling kosten könnte. Für sozial schwache Patienten ist vor allem der Selbstbehalt in Zahnambulatorien ein besonders schwer Schlag.

Der Ambulanzselbstbehalt kostet mehr als er bringt

Der Ambulanzselbstbehalt verursacht enorme Verwaltungskosten für die Kassen: Zur Administration der Selbstbehalte müssen in den Spitälern viele zusätzliche Daten erhoben werden. Da die Spitalsambulanzen noch nicht elektronisch mit dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger verbunden sind, müssen die Daten schriftlich festgelegt werden. Der Hauptverband muß dann die ausgefüllten Formulare aus den Krankenhäusern elektronisch erfassen, um sie auswerten zu können. Alle Auswertungen müssen dann an die einzelnen Versicherungsträger weitergeleitet werden, die mit einem eigenen Rechenprogramm die Briefe und Erlagscheine für die Versicherten erstellen müssen. Danach folgt der nicht gerade günstige Versand an die Betroffenen, die das Geld einzahlen sollen. Die Versicherungsträger müssen in jedem Fall die Überweisungen prüfen und gegebenen falls auch Mahnungen ausstellen oder Exekutionen vornehmen.

Was nach Abzug der Verwaltungskosten von den Einnahmen aus den Selbstbehalten übrig bleibt, wird für die Finanzierung der erhöhten Inanspruchnahme der niedergelassenen Ärzte nicht ausreichen. Für die Kasse ist der geplante Selbstbehalt daher eine finanzielle Mehrbelastung. "Nach den nun vorliegenden Berechnungen wird der Selbstbehalt rund 400 Mio. Schilling bringen aber rund 500 Mio. kosten" sagte Bittner.

Der Ambulanzselbstbehalt erhöht die volkswirtschaftlichen Kosten des Gesundheitswesen

Auch die Krankenanstalten werden ihre Fixkosten für die Ambulanzen durch eine Stagnation der Patientenfrequenz kaum senken können. Mehr als die Hälfte der in einer Spitalsambulanz erbrachten Leistungen erfolgt an stationären Patienten. Der Großteil des in den Ambulanzen eingesetzten Personals sowie der apparativen und räumlichen Ausstattung wären auch bei einem deutlichen Rückgang der Ambulanzfrequenz für die Aufrechterhaltung des Spitalsbetriebes erforderlich. Das Einsparungspotential wäre also gering, die Auslastung der sowieso vorzuhaltenden Ressourcen würde sinken und die Stückkosten der Leistungen würden steigen. Durch den gleichzeitigen Ausbau paralleler ambulanter Angebote in Form von Ordinationen würden teure und nicht bedarfsnotwendige Doppelgleisigkeiten entstehen. Parallelangebote und die dadurch erzeugte angebotsinduzierte Nachfrage führen zu einem ineffizienten Gesundheitssystem und zu einer unnotwendigen Steigerung der volkswirtschaftlichen Kosten.

Ambulanzen und Ambulatorien billiger als Ordinationen

Die Kassenambulatorien und Spitalsambulanzen arbeiten - entgegen vielfach anders lautender Behauptungen - oft billiger als Ordinationen. Eine Schwächung dieser Einrichtungen zu Lasten teurerer Angebote kommt einer Verschleuderung von Steuer- und Beitragsgeldern gleich.

Regierungspläne bringen sinnlose Geldumschichtung ohne Nutzen für Patienten, Kasse oder Gesundheitssystem

Der Selbstbehalt bringt gesundheitspolitisch nichts und richtet sich ausschließlich gegen die Menschen. Der Regierung geht es mit der Einführung von Strafgebühren für Ambulanz- oder Ambulatoriumspatienten weder um eine Angebots- oder Qualitätsverbesserung für die Menschen, noch um eine volkswirtschaftlich sinnvolle Umschichtung von einer teuren zu einem billigen Angebotsform, sondern ausschließlich um eine Umsatzverschiebung hin zu privaten Vertragsambulatorien und niedergelassenen Ärzten."

Waneck verfolgt Eigeninteressen auf dem Rücken der Patienten

Während die Menschen in den Ambulatorien der Sozialversicherung nun auch zur Kasse gebeten werden, soll es in Ambulatorien anderer Träger - wie zum Beispiel in jenem von Staatssekretär Waneck - keine Zuzahlungen geben. Die WGKK sieht darin eine verfassungswidrige Ungleichbehandlung.

Gesundheitsstaatssekretär Waneck begibt sich mit dieser Regelung in den Verdacht, Lobbyist in eigener Sache zu sein, dem die Durchsetzung von persönlichen Interessen und Standesinteressen wichtiger ist als das Wohl der Patienten. Es wäre bedenklich, würde sich die Lobby der privaten Ambulatorienbetreiber - einmal an den Schalthebeln der Macht - sofort eigene Vorteile verschaffen und lästige Konkurrenten diskriminieren.

(Forts.)

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