"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Ausgedinge am Wörther See

Ausgabe vom 8. Aug. 2000

Klaghenfurt (OTS) - Es ist noch nicht lange her, da zählte es zur Standardforderung jedes neu gewählten Kärntner Parteiobmannes, die Seeufer für die breite Bevölkerung zu öffnen. Inzwischen ist viel Wasser von Velden in die Sattnitz geflossen, und die Herren und Damen in der Politik sind schweigsam geworden. Verständlich, denn nüchtern betrachtet ist im südlichsten Bundesland genau das Gegenteil eintreten. Nicht nur, dass einige Strandbäder vor dem Ausverkauf stehen und ein Teil der Hotellierie die einzige Überlebenschance in der Appartement-Umwidmung sieht, werden unsere Seen bald nur noch für elitäre Kasten zugänglich sein.

Der Großgrundbesitzer Tilly, der sein Ausgedinge im Naturjuwel Walterskirchen erleben möchte, ist keine Ausnahme. Immer mehr Milliardäre und Spekulanten siedeln sich an den Ufern des Wörther Sees an, bauen riesige Villen mit hohen Mauern, hinter denen sie sich verschanzen. Und sollte sich die Appartement-Welle tatsächlich durchsetzen, werden künftig reiche Pensionisten promenieren, während der "normale" Urlaubsgast ausstirbt. Was bleibt, ist die Vision von einer begnadeten Landschaft, abgeschottet für wenige Auserwählte und Betuchte, die Champagner schlürfen und ihre Füße im See baumeln lassen, der Trinkwasserqualität aufweist.

Apropos Wassergüte, auf die die Politiker und Tourismusmanager so stolz sind. Ermöglicht hat diese Qualität erst der österreichische Steuerzahler, mit dessen Hilfe Milliarden in die Ringkanalisation gepumpt wurden. Und ausgerechnet der kleine Mann, sprich Zahler, soll jetzt ausgesperrt werden.

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