profil: Ex-Betriebsratsvorsitzender der Bau-Holz-Gewerkschaft:

"Prämien waren kein Schwarzgeld"

Wien (OTS) - Der frühere Betriebsratsvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz, Franz Stiel, der erfolgreich die Nachzahlung von Jahresprämien für Gewerkschaftsangestellte eingeklagt hat, kritisierte in einem Interview in der Montag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" in scharfen Worten die ÖGB-Führung.

Die Behauptung von ÖGB-Vizepräsident Günter Weninger, dieser habe gemeinsam mit dem Betriebsrat das Arbeitsgericht zur Klärung des Streits über die vom ÖGB gestoppte Auszahlung von Prämien an Bau-Holz-Mitarbeiter eingeschaltet, stimme nicht. Stiel: "Der ÖGB war gar nicht erfreut über meine Klage. Zur Strafe wollte mir der Bau-Holz-Vorsitzende Driemer sogar verbieten, dass ich weiterhin meinen kleinen Terrier ins Büro mitnehme." Obendrein habe der ÖGB seiner Klage Rechtsschutz verweigert. "Im ÖGB hat es ein Betriebsrat halt nicht sehr gut", meint der Ex-Betriebsrat verbittert.

1996 sei die Zahlung der Prämien vom ÖGB plötzlich und ohne Dialog eingestellt worden. Stiel im "profil"-Interview: "Ich fand das ungerecht. Draußen streiten wir oft um zehn Schilling und wir sollen uns alles gefallen lassen? Wir sind schließlich auch Gewerkschaftsmitglieder."

Daher habe er im Namen von 143 ÖGB-Angestellten eine Klage beim Arbeitsgericht eingebracht. Im vergangenen Mai hat ihm in dritter Instanz der Oberste Gerichtshof Recht gegeben. "Das hat mich schon gefreut", sagt der nunmehrige Pensionist, dessen Fall zu massiven Attacken von FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler gegen den ÖGB geführt hat.

Westenthalers Kritik, der ÖGB habe Prämien an Fiskus und Sozialversicherung vorbei ausbezahlt, sei nach Meinung des Ex-Betriebsrates unzutreffend. Damals hätten Dienstnehmer die Versteuerung von Prämien selbst vornehmen müssen. Stiel im "profil"-Interview: "Ich habe auf den Quittungslisten noch extra den Hinweis anbringen lassen: Bitte Steuerpflicht beachten."

Der frühere Betriebsrat dementiert jedes Naheverhältnis zur FPÖ, er sei vielmehr Sozialdemokrat. "Ich mag nicht, dass Westenthaler unseren Fall so skandalisiert", meint Stiel. "Er soll lieber die Finanzaffären in seiner Partei untersuchen. Jede Firma gibt ihren Angestellten irgendeine Prämie. Bei uns waren das keine Häuser: 3000 bis 3400 Schilling im Jahr."
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