"Neue Zeit" Kommentar: "Halbe-halbe" (von Litsa Kalaitzis)

Ausgabe vom 4.8. 2000

Graz (OTS) - Sie kennen sicher das Beispiel vom Glas Wasser, das
man halb voll oder halb leer sehen kann. Ähnlich scheint es sich auch mit der Causa zu verhalten, die für Peter Westenthaler einen "ÖGB-Megaskandal" bedeutet, während man sich bei der Gewerkschaft keines Vergehens bewusst ist, wie der Chef der betroffenen Teilorganisation versichert. Ob es strafrechtlich vertretbar ist, Gewerkschaftsangestellte jahrelang mit "Erfolgs-Prämien" zu verwöhnen, die aus Eigenmitteln, also auch aus dem Topf der Mitgliedsbeiträge kommen, damit haben sich die Gerichte jahrelang beschäftigt. Dass es moralisch nicht ganz einwandfrei ist und vor allem dem von der Gewerkschaft so gerne propagierten Grundsatz der Solidarität widerspricht, das liegt auf der Hand - genauso wie die diebische Freude, die Peter Westenthaler hatte, als er diese Sache gestern vor Journalisten enthüllte: "Megaskandal, Wirtschaftskrimi, abenteuerlich", der FPÖ-Klubobmann untermalte den Rundumschlag mit staatsmännisch-bekümmerter Miene und ordentlichen Unterlagen. Wie es sich für einen gut inszenierten Auftritt gehört, auch wenn Westenthaler diesen Vorwurf entschieden dementierte. Natürlich informiere er die Öffentlichkeit, wie es sich für einen gewissenhaften Politiker gehört, sofort von so einem Skandal der Extraklasse: Er habe erst am Vorabend davon erfahren. Mit den schlechten Umfrage-Werten, die der FPÖ derzeit ausgestellt werden, hat das also rein gar nichts zu tun. Womit wir wieder beim Beispiel mit dem Glas Wasser gelandet wären.

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