WirtschaftsBlatt über "Inflationsabgeltung!" - Warum eigentlich? von Jens Tschebull

Ausgabe vom 4.8.2000

Wien (OTS) - Bei den Lohnverhandlungen im September wird die "Inflationsabgeltung" ein heisses Thema sein: Eine automatische Lohnerhöhung als Ausgleich für Preissteigerungen. Doch der "Inflationsausgleich" ist selbst der grösste Inflationsmotor, da er die Ausgleichsempfänger in die Lage versetzt, die höheren Preise auch zu zahlen. Damit wird ein marktwirtschaftlicher Regelkreis, der auf höhere Preise mit geringerer Nachfrage reagiert und dadurch inflationsdämpfend wirkt, ausser Kraft gesetzt. Lohnerhöhungen, die nicht durch höhere Produktivität verdient, sondern nur durch höhere Verbraucherpreise begründet sind, machen aus der Teuerung, eine echte "Inflation": Eine Kaufkraft-"Aufblähung". Die steigenden Lohnkosten erhöhen ihrerseits die Preise, und die Inflation beginnt zu traben. Als Hauptschuldiger für den Teuerungsschub dieses Sommers wurde der Energiepreis identifiziert, der auf Grund zu geringer Erdölförderung gestiegen ist. Durch die höheren Energiepreise werden die Ölscheichs reicher, Russland wird ein bisschen weniger arm, und die OMV-Aktionäre können etwas ruhiger schlafen. Aber warum soll ein Tischler aus dem Waldviertel, wie alle Unternehmer zwischen Bregenz und Eisenstadt, seinen Angestellten deshalb für die gleiche Leistung mehr zahlen als bisher? Auch höhere Steuern und Gebühren (z.B. für Reisepässe), die ja den Zweck haben, dem einzelnen Bürger Geld für die Staatskassa aus der Tasche zu ziehen, können durch die Arbeitgeber nicht "ausgeglichen" werden. Hinter der Idee des Inflationsausgleiches steckt das antiquierte Arbeitnehmer-Bild des unmündigen Knechtes, der nicht für seine Leistung, sondern nach seinen dringendsten Bedürfnissen entlohnt wird, und dem daher, wenn die Schnaps- oder die Benzinpreise steigen, ein paar Schilling mehr zugesteckt werden, damit er und sein Auto auf ihr Quantum kommen. Der selbstverantwortliche mündige Bürger und Marktteilnehmer hat in diesem sozialpartnerschaftlichen Bild der Fürsorgegesellschaft keinen Platz. Eine Teuerung ist, insbesondere wenn sie vom Weltmarkt zu uns überschwappt oder durch das Budgetdefizit erzwungen wird, eine gemeinsam zu tragende schicksalhafte Unannehmlichkeit, die ebenso wenig ausgleichsfähig ist wie der verregnete Juli. (Schluss) JT

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