OeNB-Venture Capital in Österreich

in der Publikationsreihe "Berichte und Studien",

Wien (OTS) - Heft 2/2000, erschienen

Venture Capital ist eine spezifische
Finanzierungsform, die auf Unternehmensgründungen und auf die Expansion von jungen Unternehmen zugeschnitten ist. Venture-Capital-Finanziers beteiligen sich auf bestimmte Zeit an nicht börsenotierten Unternehmen bei gleichzeitiger aktiver Beratung
und Unterstützung im Management des neu gegründeten
Unternehmens. Üblicherweise werden keine Dividenden ausbezahlt, sondern der Ertrag wird durch die Veräußerung der Anteile am
Ende der Laufzeit lukriert. Daher ist die Orientierung auf die Wachstumsdynamik der Unternehmen ein essenzieller Aspekt. Gleichzeitig ist Venture Capital mehr als nur die Bereitstellung
von Kapital: Das unternehmerische Know-how ist ein oftmals mindestens ebenso wichtiger Beitrag zum Unternehmenserfolg.

Venture Capital für Gründungen und Expansion von jungen Unternehmen deckt nur einen Bruchteil der Investitionen ab, von denen aber starke Impulse für Innovation, Wachstum und Beschäftigung ausgehen. Innovative kleine und mittlere
Unternehmen zählen zu den Hauptantriebskräften für Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa. In Österreich ist
der Markt für Venture Capital im internationalen Vergleich noch recht klein; allerdings verzeichnete er in den letzten Jahren
einen lebhaften Aufschwung. Die Reorientierung der
Förderprogramme von der Förderung des Fremdkapitals hin zur Eigenkapitalförderung hat diesen Anstieg nicht unwesentlich unterstützt. Wie viele Industriestaaten hat Österreich eine
Reihe von Initiativen gesetzt, um das Angebot an Venture Capital
zu erhöhen und dadurch die Lücke zwischen der Nachfrage von Unternehmen in einer sehr frühen Entwicklungsstufe mit sehr
hohem Risikoprofil und den von privaten Venture-Capital-Gebern bereitgestellten Mitteln zu schließen. In Österreich erfolgt
dies vor allem in Form von Eigenkapitalgarantien.

Die Unterschiede in der Investorenstruktur zwischen
Österreich und Europa weisen auf die zukünftigen Entwicklungsfelder für das private Risikokapital hin: So hielten die privaten Haushalte 1998 lediglich 8% der in Österreich begebenen Aktien. Die herausragende Rolle der Banken auf dem Venture-Capital-Markt in Österreich ist nicht zuletzt Ausdruck ihres hohen Anteils an den Anteilswerten von Unternehmen
insgesamt. Auch die Rolle der institutionellen Investoren
entspricht noch nicht jener im internationalen Kontext.
Auffallend ist die untergeordnete Rolle der Pensionskassen und umgekehrt der starke Anteil staatlicher Einrichtungen in Österreich. Hier hat die öffentliche Hand eine weit größere Bedeutung für die Kapitalaufbringung als im europäischen Durchschnitt.

Für den Venture-Capital-Markt sind funktionstüchtige Börsen für aufstrebende Unternehmen, auf dem die Beteiligungs-gesellschaften am Ende der Investitionsperiode ihre Anteile verkaufen und die Wertsteigerungen realisieren können, daher von großer Bedeutung. Aus diesem Grund wurden in vielen Ländern
neue Börsensegmente für mittelständische Wachstumsunternehmen gegründet. An der Wiener Börse wurde als spezielles Marktsegment für wachstumsorientierte mittelständische Unternehmen der
Austrian Growth Market eingeführt.

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