OeNB-Risikoanalyse eines internationalen Musterportefeuilles

in der Publikationsreihe "Berichte und Studien",

Wien (OTS) - Heft 2/2000, erschienen

Der Ausgangspunkt für die vorliegende Arbeit
liegt in der zunehmenden Bedeutung, die die Risikoanalyse im
Alltag der Marktteilnehmer hat. In den Siebziger- und Achtzigerjahren diente sie vor allem zum Portefeuillemanagement.
In den Neunzigerjahren jedoch fand ein Umbruch bei der
Betrachtung des Marktrisikos statt. Ausschlaggebend war dafür einerseits J. P. Morgan mit seinem RiskMetrics-Konzept,
andererseits ein verändertes aufsichtsrechtliches Umfeld. So müssen Banken nun eine Methodik zur Berechnung des Marktrisikos implementieren, um ihren Value at Risk (VaR), das heißt den maximalen erwarteten Verlust ihres Handelsbuchs, zu erheben.
Dieser Wert muss dann entsprechend mit Eigenkapital unterlegt werden.

Diese Entwicklung geht mit einer zunehmenden Internationalisierung der Finanzmärkte einher. So halten institutionelle Anleger immer seltener nur heimische Titel.
Dadurch wuchs die Interdependenz der Kursentwicklungen, die
vorher vor allem national bestimmt war. Weiters findet nun die Übertragung wichtiger Nachrichten während eines Handelstags in
die Märkte aller Kontinente statt. Schließlich sind in den
letzten Jahren die Veranlagungen nicht nur innerhalb der Industriestaaten diversifiziert worden, auch die Titel von
Emerging Markets, z. B. aus Südostasien, Südamerika oder Mittel-und Osteuropa, wurden immer häufiger gekauft. Zeitgleich schritt innerhalb der Europäischen Union der Integrationsprozess rasch fort. Durch den Binnenmarkt und vor allem durch die
Währungsunion wurde für die Investoren bei der Auswahl von
Aktien die Nationalität weniger wichtig und stattdessen trat der Sektor, in dem die jeweiligen Unternehmen tätig sind, in den Vordergrund. Alle diese Facetten der Globalisierung machen die exklusive Betrachtung von nationalen Märkten zunehmend obsolet.

Die Motivation dieser Arbeit ist die Verknüpfung dieser
beiden wichtigen Entwicklungen. Die betrachteten Anlageformen
sind europäische Aktien und Anleihen, weiters nordamerikanische, asiatische und osteuropäische Titel. Das wesentlichste Resultat
der vorliegenden Studie ist, dass sich das Risiko der
betrachteten Anlagen im Zeitablauf deutlich ändert. Am stärksten sind diese Schwankungen bei den osteuropäischen Aktien. Weiters
hat die Russlandkrise einen nachhaltigen Anstieg der
untersuchten Risikomaße auf den Kapitalmärkten bewirkt. Die Qualität unseres Ansatzes wird nicht nur mit statistischen Verfahren, sondern auch aus der Sicht des Risikomanagements beurteilt. Wenn das Modell nach den Anforderungen der Marktrisikomessung bewertet wird, dann bestätigt sich die Güte
des Modells, da der Zeitverlauf des geschätzten prognostizierten Risikos die tatsächlichen Verluste korrekt nachbildet.

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