"Neues Volksblatt" Kommentar: "Vorbild" (Von Franz Rohrhofer)

Ausgabe vom 3. August 2000

LINZ (OTS) - Er ist schon ein erstaunlicher Mann, dieser Kardinal Franz König. Nicht nur, dass er dank persönlicher Askese seinen 95-er in, wie es so schön heißt, voller körperlicher und geistiger Frische begeht. Er ist auch ein Mann, in dem sich die Katholische Kirche eines ganzen Jahrhunderts widerspiegelt, und der trotzdem im Denken jünger und offener ist als viele aus der derzeit führenden Generation. Natürlich kommt dem Alt-Kardinal zugute, dass er heute freier und ohne Rücksicht auf kirchliche Karrieresprünge reden kann. Er war aber auch zu seiner aktiven Zeit einer, der die Probleme direkt angesprochen hat. Franz König hat das II. Vatikanische Konzil persönlich gelebt und die Kirche geöffnet zu anderen Ideologien, Religionen und zu den unterschiedlichsten Menschen. Das hat ihm auch Kritik vor allem aus sogenannten gutkatholischen Kreisen eingebracht. Das wird heute, am Tag der großen Lobeshymnen, leicht vergessen. Er sollte Vorbild bleiben: Ein Kirchenfürst, der sich nicht hinter die schützende Mauer der Amtskirche zurückzieht, sondern die Kirche zu den Menschen bringen will. Deshalb fordert er heute mehr denn je unermüdlich Dezentralisierung, Dialog und Ökumene für seine Kirche. Dieser Mann ist auch im Kardinalsrock vor allem "menschlich" geblieben.

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