OeNB-Die Geldpolitik des Eurosystems

in der Publikationsreihe "Berichte und Studien",

Wien (OTS) - Heft 2/2000, erschienen

Eineinhalb Jahre nach Beginn der Europäischen
Währungsunion konzentriert sich das mediale Interesse auf die Frage, wie sich die neue europäische Geldpolitik und ihre Institutionen in der Praxis bewähren.

Der Einstieg in die Währungsunion war jedenfalls mit einem
viel geringeren Ausmaß an geldpolitischen Unsicherheiten
verbunden, als dies teilweise erwartet worden war. Die
Performance des Eurosystems in den ersten 18 Monaten fiel
durchaus überzeugend aus. Die Inflationsrate liegt auf einem
sehr niedrigen Niveau und die Arbeitslosenquote ist rückläufig. Auch das Verhältnis des Eurosystems zu Institutionen der Fiskal-und Lohnpolitik war weitgehend spannungsfrei.

In einer Reihe von Studien untersucht die OeNB verschiedene Aspekte der Geldpolitik des Eurosystems und kommt dabei zu
einigen wesentlichen Schlussfolgerungen:

- Die geldpolitische Strategie des Eurosystems, die Komponenten
der Geldmengensteuerung und des Inflation Targeting
kombiniert, ist den veränderten Herausforderungen bislang gerecht geworden. Die Geldpolitik steht aber vor einer Reihe
von zukünftigen Herausforderungen, die mit strukturellen Veränderungen der Volkswirtschaften zusammen hängen, wie etwa der Liquiditätsfalle in Japan, den Risken einer Asset-Price- Bubble in den USA oder der möglichen Existenz einer New
Economy.

- Die Geldmenge nimmt in der geldpolitischen Strategie des Eurosystems eine herausragende Rolle ein. Seit Beginn des
Jahres 1999 liegt das Wachstum von M3 über dem Referenzwert. Dies gibt Anlass zur Sorge, dass sich ein monetärer Überhang aufgebaut hat, der inflationswirksam werden könnte. Im Rahmen einer zeitreihentechnischen Untersuchung wird gezeigt, dass
auch Sonderfaktoren die Geldmengenentwicklung nach oben verschoben haben.

- EZB-Watchers basieren ihre Zinserwartungen, ähnlich wie in
den USA, auf unterschiedlichen Inflationsindikatoren. In
einer Darstellung einiger wichtiger Inflationsindikatoren der zweiten Säule der geldpolitischen Strategie des Eurosystems
wird deren Informationsgehalt hinsichtlich der Inflationsentwicklung diskutiert. Es wird die Notwendigkeit begründet, dass das Eurosystem seine geldpolitische Entscheidungsfindung auf eine breite Analyse vieler
Indikatoren stützen muss.

- Die Taylor-Regel beschreibt ein bestimmtes Reaktionsmuster
von Notenbanken auf Inflations- und Konjunkturschwankungen.
Sie liefert Anhaltspunkte zur Beurteilung der Geldpolitik des Eurosystems. Ergebnis der OeNB-Studie ist, dass eine
modifizierte Taylor-Regel die Geldpolitik des Eurosystems
bislang adäquat beschreiben konnte und dass keine
gravierenden Unterschiede in der Geldpolitik des Eurosystems
zu jener innerhalb des Europäischen Währungssystems vor dem
1. Jänner 1999 festzustellen sind. Die Geldpolitik in der Währungsunion knüpfte also nahtlos an die vorhergehende Tradition an.

- In der Umsetzung der Geldpolitik kam es mit Beginn der Währungsunion in Österreich zu einschneidenden Änderungen.
Die österreichischen Kreditinstitute kommen mit dem geldpolitischen Instrumentarium bislang sehr gut zurecht.
Auch kleinere Institute beteiligen sich erfolgreich am 14-
Tages- und am Drei-Monats-Tender. Die österreichischen Banken haben ihre grenzüberschreitenden Handelsaktivitäten deutlich verstärkt. Das titrierte Segment weist hingegen noch Entwicklungspotenzial auf.

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