Rieder: Babynest Glanzing geht im Herbst in Betrieb

Wien, (OTS) Am Montag präsentierte Wiens Gesundheitsstadtrat Dr. Sepp Rieder in einem Pressegespräch die Pläne für die Errichtung des künftigen "Babynests Glanzing im Wilhelminenspital" nach Vorbild der Hamburger Babyklappe.

Rieder: "Das Babynest Glanzing im Wilhelminenspital soll helfen, das Leben von Kindern zu retten und verhindern, dass sich Mütter strafbar machen, weil sie in einer vermeintlichen Notsituation sich nicht anders zu helfen wissen, als ihr Neugeborenes auszusetzen." Damit solle, so der
Gesundheitspolitiker, verzweifelten Frauen die anonyme und für das Kind sichere Abgabe ihres Babys an eine hoch qualifizierte Kindereinrichtung ermöglicht werden. "Denn warum sollte es Frauen verwehrt sein, sich nicht zu ihrer Mutterschaft zu bekennen, wenn
es Männern schon seit Jahrtausenden möglich ist, sich nicht zu einer Vaterschaft zu bekennen", erklärte Rieder. In Betrieb gehen solle das Babynest Glanzing bereits im September/Oktober dieses Jahres.****

Gerade Wien verfüge schon jetzt über ein dichtes und gut funktionierendes soziales Netz zur Betreuung von Schwangeren und Müttern. "Wenn dieses Netz aber trotzdem irgendwann versagen sollte, kann das Babynest Glanzing die ´letzte Hilfe´ sein, um das Leben des Neugeborenen zu retten. Denn niemand kann ernstlich um
den hohen Preis gesundheitlicher Risken für das Kind dessen ´Recht´ auf Kenntnis seiner Mutter sichern wollen", betonte Rieder.

Das Projekt "Babynest Glanzing"

Das Babynest Glanzing ist der erste Schritt in einem dreistufigen Aktionsprogramm zur Unterstützung von Schwangeren in Problemsituationen. Als nächstes soll - wie z.B. in Frankreich schon realisiert - die "stille" oder anonyme Geburt ermöglicht werden, letztendlich soll auch eine anonyme Betreuung schon während der Schwangerschaft möglich sein.

Standort Wilhelminenspital

Die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde "Kinderklinik Glanzing" im Wilhelminenspital der Stadt Wien verfügt sowohl über große Erfahrung im Bereich der Säuglingsheilkunde (Neonatologische Intensivstation, Intermediate Care Station, Säuglingsstation) als auch über psychosomatische Kompetenz (Station für Säuglingspsychosomatik). Das schafft eine äußerst günstige Voraussetzung für die Errichtung des Babynests, das am Flötzersteig in geringer Entfernung von der Ambulanz und der Kinderabteilung angesiedelt werden kann. Dadurch ist einerseits
die Anonymität gewährleistet, andererseits kann bei der Abgabe eines Kinder innerhalb von wenigen Minuten die umfassende und kompetente Versorgung des Neugeborenen angeboten werden.

Die Übergabe eines Kindes kann auf zwei Arten erfolgen:

Mütter, die anonym bleiben wollen, können über ein Nottelefon Kontakt mit dem psychosomatischen Dienst der Kinderklinik Glanzing aufnehmen, die eine Beratungsfunktion übernimmt, die Mutter auf bestehende Hilfsangebote hinweist und eventuell zu weiteren Beratungsterminen bezüglich Hilfestellung einladen kann. Sollten diese Maßnahmen nicht zielführend sein, kann ein Treffpunkt für die persönliche aber trotzdem anonyme Übergabe des Neugeborenen vereinbart werden.

Möchte die Mutter ihr unwillkommenes Baby völlig anonym abgeben, so deponiert sie es im Babynest Glanzing am Flötzersteig. In der Klappe findet die Mutter ein Merkblatt mit der
Telefonnummer des Notrufs, wo sie in den nächsten acht Wochen Auskunft über ihr Kind bekommen kann, sowie ein Stempelkissen. Mit Hilfe des Stempelkissen macht die Mutter einen Finger- und Fußabdruck des Kindes auf die Rückseite des Merkblatts. Im Falle des Wunsches nach einer Rückgabe kann so die Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind eindeutig überprüft werden.

Bei der Abgabe eines Kindes löst das Wärmebett im Babynest über Sensoren einen optischen (Videokamera) und akustischen Alarm aus, sodass die in der Kinderambulanz tätigen Pflegepersonen
sofort informiert werden und den Dienst habenden Arzt der Kinderklinik Glanzing alarmieren.

Das Neugeborene wird an die Säuglingsstation gebracht, fachärztlich untersucht und zur Beobachtung aufgenommen. Bei stabilem Gesundheitszustand kommt der Findling für bis zu acht Wochen in eine Pflegefamilie. Kommt es zu keiner Rückgabe an die leibliche Mutter, veranlasst das Amt für Jugend und Familie die Adoption des Kindes.

Internationale Vorbilder

In Deutschland sind Abgabestellen für ungewollte Kinder meist an Häusern der Jugendwohlfahrt angesiedelt, die mit Kinderspitälern zusammenarbeiten. In Hamburg wurde vom Verein SterniPark e.V. im Stadtteil Altona (Goethestraße 27) im April
2000 die erste Babyklappe eröffnet, im Juli 2000 im Stadtteil Wilhelmsburg die zweite. Beide Hamburger Babyklappen sind bei Kindertagesstätten angesiedelt, ebenso die Babyklappe in Lübeck. Das Haus Sonnenblume in Berlin Schönow bzw. das Projekt Moses in Amberg (Bayern) wird von religiösen Institutionen betreut.

Günstiger und leichter realisierbar ist die Ansiedlung von Babyklappen an Kinderspitälern, wie es sich in Ungarn besonders bewährt hat. (Schluss) nk/

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