Mittelfristige Prognose der österreichischen Wirtschaft 2000-2004: Gute Konjunktur nützt Budgetkonsolidierung

Wien (OTS) - Die österreichische Wirtschaft bleibt weiterhin auf Wachstumskurs. Gegenwärtig sind die kurzfristigen Konjunkturaussichten im gesamten OECD-Raum äußerst günstig. In den USA zeigen sich keine Zeichen für eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. Der Aufschwung im EURO-Raum wird von einer äußerst kräftigen Ausweitung der Exportnachfrage getragen, die von der Abwertung des EURO und der Entwicklung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit unterstützt wird. Der internationale Handel ermöglicht die Übertragung der weltweiten Nachfrageimpulse in die einzelnen Länder und stärkt damit das Wirtschaftswachstum. Die Arbeitslosigkeit im EURO-Raum wird zurückgehen. Die Lage der öffentlichen Haushalte in der Euro-Zone hat sich deutlich verbessert. Lediglich die Inflationsentwicklung birgt Risken für das Wirtschaftswachstum.

Die vorliegende mittelfristige Prognose geht davon aus, dass sich das internationale Umfeld für die österreichische Wirtschaft auch mittelfristig positiv darstellt. In Einklang mit der mittelfristigen Prognose der OECD unterstellt das Institut, dass sich die Konjunktur im OECD-Raum nach 2001 geringfügig abkühlt und die Lücke zwischen potentiellem und aktuellem Output in den Folgejahren geschlossen wird. Auch das Wachstum des Welthandels geht im Laufe des Prognosezeitraums zurück.

Die österreichische Wirtschaft wird im Zeitraum von 2000 bis 2004 durchschnittlich um real 2.8 % und damit deutlich stärker als in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre (2.0 %) wachsen. Der Konjunkturhöhepunkt wird bereits im Jahr 2000 erreicht sein. Aufgrund der internationalen Rahmenbe-dingungen wird sich die Wirtschaftsentwicklung in Österreich in den folgenden Jahren etwas abschwächen. Im Durchschnitt wird das Wirtschaftswachstum in Österreich dem der anderen EU-Staaten entsprechen. Bei der Interpretation dieser Prognose ist zu berücksichtigen, dass wichtige Aggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) laut ESVG 1995 noch immer nicht vorliegen.

Die wesentlichsten Wachstumsmotoren in den nächsten Jahren bleiben die Inlandsnachfrage, wobei insbesondere der private Konsum und die Ausrüstungsinvestitionen zu nennen sind, sowie die kräftige Exportnachfrage.

Der reale private Konsum wird im Prognosezeitraum gestützt von der positiven Entwicklung der Einkommen im Durchschnitt um 2.3 % wachsen. Aufgrund der Umstellung der VGR ist das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte gegenwärtig nicht verfügbar, was dazu führt, dass eine Berechnung der persönlichen Sparquote derzeit nicht möglich ist.

Die österreichischen Unternehmen werden ihren Modernisierungskurs weiter fortsetzen und kräftig investieren. Das Wachstum der realen Ausrüstungsinvestitionen bleibt mit durchschnittlich 6.3 % hoch. Die Expansion der Bauinvestitionen wird mit 1.4 % sehr verhalten bleiben. Dazu tragen sowohl die schwächere Nachfrage im Wohnbau als auch die Investitionskürzungen im staatlichen Bereich signifikant bei.

Die reale Inlandsnachfrage wird mit 2.2 % im Prognosezeitraum deutlich schneller wachsen als in den vergangenen vier Jahren (1.6 %). Das Wachstumstempo liegt aber einen halben Prozentpunkt unter dem realen Wirtschaftswachstum.

Die Internationalisierung der österreichischen Wirtschaft setzt sich weiterhin fort. Sowohl die realen Exporte laut VGR i.w.S. (6.9 %) als auch die realen Importe i.w.S. (5.8 %) wachsen gleich schnell wie in den letzten vier Jahren. Der Außenbeitrag ist über den gesamten Prognosezeitraum hinweg positiv und stützt das heimische Wirtschaftswachstum.

Die günstige Entwicklung bei den Warenexporten und der positive Trend im Reiseverkehr führen dazu, dass das Leistungsbilanzdefizit von 74.5 Mrd. ATS (1999) auf 31.3 Mrd. ATS (2004) zurückgeht. Damit beläuft sich das Defizit am Ende des Prognosezeitraums auf ein Prozent des BIP.

Das Institut geht von einer ruhigen Preisentwicklung aus. Die Verbraucherpreissteigerungen sollten durchschnittlich 1.6 % betragen. Diesem moderaten Preisauftrieb liegt der weiterhin hohe internationale Wettbewerbsdruck und die verhaltene Entwicklung der Lohnstückkosten zugrunde. Steigende Importpreise oder eine stärkere Überwälzung des gegenwärtigen Preisauftriebs in die Lohnkosten würden allerdings den Preisauftrieb verstärken.

Die gute Konjunkturlage, unterstützt von der aktiven Arbeitsmarktpolitik, führt zu einer deutlichen Verbes-serung am Arbeitsmarkt. Bis zum Jahr 2004 steigt die Zahl der Aktiv-Beschäftigten um 118.000 Personen an. Die Arbeitslosenrate (nationale Definition) sinkt im Jahr 2004 unter die 5-Prozent-Marke. Im Durchschnitt wird die Arbeitslosenrate 5.4 % betragen und damit um 1 ½ Prozentpunkte geringer sein als noch im Durchschnitt der letzten vier Jahre. Die Arbeitslosenrate nach der EUROSTAT-Berech-nungsmethode wird knapp über 3 % liegen. Die Ziele des nationalen Aktionsplans werden erfüllt.

Die Abschätzung der Entwicklung der öffentlichen Haushalte ist mit größeren Unsicherheiten verbunden. Das Institut geht davon aus, dass der Prognosezeitraum von deutlichen Konsolidierungs-maßnahmen geprägt wird, die überwiegend auf der Ausgabenseite ansetzen. Dieser Prognose wird das Ende Juni vorliegende österreichische Stabilitätsprogramm zugrunde gelegt. Vor dem Hintergrund der Budgetentwicklung in der EURO-Zone ist dieses Stabilitätsprogramm als wenig ambitioniert einzu-stufen. Eine stärkere Absenkung des strukturellen Defizits erscheint notwendig. Die ausgezeichnete Konjunkturlage sollte zur Durchführung der notwendigen Strukturreformen genutzt werden. Das im Budgetprogramm 2000-2003 im Juli 2000 angekündigte Budgetziel einer Rückführung des Defizits auf 1.3 % im Jahr 2001 bzw. auf Null in den Folgejahren ist daher eindeutig zu begrüßen. Da die zur Erreichung dieses Budgetziels notwendigen Maßnahmen im Budgetprogramm nicht explizit aufgeführt sind, konnte dieses Budgetprogramm in der vorliegenden Prognose nicht berücksichtigt werden.

Wichtige Prognoseergebnisse

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in Prozent

1996-1999 2000-2004

Bruttoinlandsprodukt, real 2.0 2.8 Privater Konsum, real 2.0 2.3 Bruttoinvestitionen insgesamt, real 1.9 3.6 Ausrüstungsinvestitionen, real 2.8 6.3 Bauinvestitionen, real 1.2 1.4 Inlandsnachfrage, real 1.6 2.2 Exporte i.w.S., real 7.0 6.9 Waren, real (laut VGR) 8.6 8.6 Reiseverkehr, real (laut VGR) -0.5 2.4 Importe i.w.S., real 6.0 5.8 Waren, real (laut VGR) 6.4 7.0 Reiseverkehr, real (laut VGR) 6.0 -1.3 1.0 Unselbständig Aktiv-Beschäftigte 0.4 0.8 Arbeitslosenrate: Nationale Definition*) 6.9 5.4 Arbeitslosenrate: Eurostat-Definition*) 4.2 3.2 Bruttolohnsumme pro Aktiv-Beschäftigten 2.1 2.8 Preisindex des BIP 1.1 1.2 Verbraucherpreisindex 1.2 1.6 3-Monats-EURO-Rendite*) 3.5 5.1 10-Jahres-EURO-Rendite*) 5.7 5.8 Leistungsbilanz (Mrd. ATS)*) -60.6 -45.0

*) absolute Werte

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