"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Land am Prüfstand" (von Stefan Kappacher)

Ausgabe vom 31.7.2000

Innsbruck (OTS) - Ein bizarres Bild, das Wien an diesem verregneten Sommerwochenende geboten hat: Drei Männer kamen im Auftrag der EU-14, um mit höchsten Repräsentanten des Staates zu reden. Wo immer die Weisen auftauchten, wurden sie von Kameras und Medienleuten umringt, die nur eines wissen wollten: Wie werden sie wohl über die "Natur der FPÖ" urteilen? Ahtisaari, Frowein und Oreja schwiegen weise.

Nach diesem Wochenende ist dennoch eines klar: Die Weisen wollen ihren Bericht, der ja die Grundlage für eine Aufhebung der Sanktionen der EU-14 gegen Österreich sein soll, möglichst rasch fertigstellen. Dafür sprechen der frühe Besuchstermin und das umfangreiche Gesprächsprogramm in Wien, dafür spricht aber auch die Ankündigung, dass es wohl keinen weiteren Besuch der Weisen geben wird. Sie ersparen uns damit ein letztlich doch entwürdigendes Schauspiel, weil solche Anlässe in Österreich fast schon zwangsläufig zur Farce zu geraten drohen.

Ein Gefälligkeitsgutachten sollte sich von diesen Männern aber niemand erwarten, schon gar nicht die FPÖ. Wenn Klubobmann Westenthaler sagte, dass die Freiheitlichen in der Ausländerpolitik "nicht angreifbar" seien und nur hin und wieder "Fehler" gemacht hätten, dann beleidigte er fast schon die Intelligenz der Besucher. Sie werden die FPÖ zweifellos sehr kritisch beurteilen, weil sie es nicht anders verdient hat - und weil alles andere ein Persilschein für rechtspopulistische Entwicklungen in Europa wäre, die die EU-14 mit ihrem Hüftschuss gegen Österreich gerade verhindern wollten. Entscheidend wird sein, was die Weisen den Freiheitlichen auf der Haben-Seite gutschreiben.

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