"Die Presse"-Kommentar: "Die Handlanger des Terrors" (von Burkhard Bischof)

Ausgabe vom 31.7.2000

WIEN (OTS).Senor Juan Maria Jauregui wähnte sich sicher: "Hier bin ich geschützt. Wenn Unbekannte aufkreuzen, gibt man mir Bescheid." Doch längst hatten die Masterminds des ETA-Terrors von irgendwo her den Tip bekommen: In dem und dem Café in Tolosa trinkt der ehemalige Provinzgouverneur seinen Kaffee. Vermummte Killer wurden losgeschickt - die Vertrautheit konnte Jauregui nicht vor zwei Kopfschüssen schützen.
Ein typische Momentaufnahme aus dem Baskenland, das wieder Hauptoperationsgebiet der ETA-Killer geworden ist. Die baskische Untergrundorganisation hat die Gesellschaft in der Provinz am Golf von Biscaya durchsetzt mit Sympathisanten und Spitzeln. Wer sich gegen das mörderische Treiben der baskischen Nationalisten stellt, wird der ETA gemeldet, eingeschüchtert und möglicherweise sogar ermordet.
Folge ist eine fortschreitende Paralysierung des Baskenlandes, weil durch den Druck des ETA-Terrors auch die Zivilgesellschaft unterdrückt wird. Da kann die spanische Staatsmacht noch soviele Polizisten und Antiterror-Spezialisten zur Bekämpfung der ETA einsetzen - wenn die Behörden aus der Bevölkerung keiner Hinweise auf die Gewalttäter bekommen, sind sie weitgehend machtlos.
Und da trifft sich das derzeitige Geschehen in Spanien mit jüngsten Ereignissen in Deutschland. Die fremdenfeindliche Agitation droht dort - nicht mehr nur in Ostdeutschland - zu einer Lawine gewalttätiger Übergriffen gegen Ausländer zu werden. Ein Lawine, weil es "viel klammheimliche Zustimmung und viel zu viel Wegschauen" zu den Gewaltaktionen von Neonazis in der deutschen Gesellschaft gibt, wie Justizministerin Herta Däubler-Gmelin beklagt. Und Außenminister Joschka Fischer fordert angesichts der rechtsextremen Gewalt: "Die schweigende Mehrheit darf nicht länger schweigen."
Da liegt der Schlüssel - in Spanien und in Deutschland: Wegschauen macht gewöhnliche Bürger zu Handlangern des Terrors. Gewiß, in jeder Gesellschaft gibt es nur wenige Helden. Aber angesichts der zunehmenden Gewalt müssen die wenigen mehr werden. Sonst gibt es bald gar keine Helden mehr, sondern nur noch eingeschüchterte Mitläufer des Terrors.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445

Die Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PPR/PPR