"profil": Katholische Kirche beschäftigte NS-Zwangsarbeiter

"profil" präsentiert Dokument, das nachweist, dass es auch auf Gütern der katholischen Kirche Österreichs Zwangsarbeiter gab Ð auf einem Gut Innitzers und dem Stiftsgut Heiligenkreuz

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, hat auch die katholische Kirche Österreichs während der NS-Zeit jüdische Zwangsarbeiter beschäftigt. "profil" veröffentlicht zwei Fälle, in denen jüdische Zwangsarbeiter einmal auf dem Stiftsgut Heiligenkreuz (NÖ), das zur NS-Zeit nicht aufgelassen war, und darüber hinaus auch auf einem persönlichen Gut des damaligen Erzbischofs von Wien, Theodor Innitzer, dem bischöflichen Mensalgut in Obersiebenbrunn (NÖ) eingesetzt waren. Es handelte sich dabei um ungarische Juden, die als so genannte Austauschjuden nach Österreich verbracht worden waren.
Auf dem Besitz Kardinal Innitzers waren ab Oktober 1944 Frauen eingesetzt. Zu verrichten waren laut "profil" "landwirtschaftliche Arbeiten". Das Lager auf dem Stiftsgut Heiligenkreuz bestand aus 49 Menschen, davon zwölf Kinder. Sie wurden für Waldarbeiten und in der Lagerküche eingesetzt. Der Heiligenkreuzer Stiftsarchivar Pater Alberich auf "profil"-Anfrage: "Ich weiß von jüdischen Arbeitern auf dem Stiftsgut. Die sind unter Aufsicht der Nazis gestanden." "profil" beruft sich in seinem Bericht auf Aufzeichnungen, die vom Internationalen Suchdienst des Roten Kreuzes in Arolsen, Hessen, gemacht wurden. In der umfangreichen Auflistung mit dem Titel "Verzeichnis der Haftstätten unter dem Reichsführer-SS (1933-1945)" finden sich zahlreiche kleine Zwangsarbeiter-Lager in Österreich. Die katholische Kirche Österreichs, in der man bisher eine Beteiligung am NS-Zwangsarbeiterfonds abgelehnt hatte, will ihre Position nun überprüfen. Der Vorsitzende der österreichischen Superiorenkonferenz und Propst des Stiftes Herzogenburg, Maximilian Fürnsinn, in dessen das Stift (in der Nazi-Zeit ebenfalls nicht aufgelassen war) laut "profil" jüngst ebenfalls Arbeitsbücher auftauchten, die möglicherweise auch auf Zwangsarbeiter schließen lassen, kündigt gegenüber "profil" eine eingehende Untersuchung aller österreichischen Stifte an. "Die Stifte werden eine Kommission aus einem Kirchenrechtler und zumindest zwei Historikern einsetzen, die alles untersuchen soll", so Fürnsinn im "profil". Auch der Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Erich Leitenberger, meint nach den "profil"-Recherchen, dass nun "genauere Nachforschungen" notwendig seien.

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