Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Hürden statt Chancen

Ausgabe vom 30.7.2000

Wie simpel gestrickt ihre Muster in der Bildungspolitik sind, beweist wieder einmal die ÖVP. Fordert doch der Bildungssprecher der Volkspartei, Werner Amon, die "Einführung von Aufnahmsprüfungen an Allgemeinbildenden Höheren Schulen, Berufsbildenden Höheren Schulen und auch an Universitäten". Hauptsache, man baut möglichst viele Hürden ins Schulsystem - schließlich will man ja nicht, dass gleich jeder die beste Ausbildung bekommen kann.

Genau dieses soziale Selektionsprinzip verrät sich auch gleich in der Wortwahl Amons: "Wir wollen so früh wie möglich Differenzierungen. Die Leute sollen nach ihren Interessen und Begabungen unterrichtet werden." Heißt differenzieren, denen auch weiterhin keine Chance zu geben, die auch bisher keine Chance hatten? Wer nämlich schon nach der Volksschule die Selektion ansetzt, schränkt brutal den Handlungsspielraum von Kindern ein - zu einem Zeitpunkt, wo der Einfluss ihres sozialen, familiären Umfeldes am größten ist und ihre Fähigkeiten bestimmt.

Begabung und Interessen kommen schließlich nicht aus dem Nichts, sondern werden geweckt und gefördert. Manche Kinder bringen diese Fähigkeiten aufgrund der finanziellen Möglichkeiten ihrer bildungsbürgerlichen Eltern mit - einfach so. Andere bekommen in Schulen Gelegenheit, diese zu erwerben. Sozial gerecht ist ein System sicher nicht, wenn es Schülern in frühester Jugend mit einer Prüfung - die immer nur eine Momentaufnahme ist - Chancen, die andere automatisch haben, verwehrt.

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