Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Wenn Bildung zum Privileg wird

Ausgabe vom 26.7.2000

Welche Bevölkerungsgruppen eine Regierung stärkt, lässt sich sehr gut am Bildungswesen ablesen. Ein Indiz: die Zulassung der ersten österreichischen Privatuniversität. Die freiheitliche Abgeordnete Sylvia Paphazy bezeichnete den Beschluss des Akkreditierungsrates, nur die Katholisch-theologische Hochschule Linz als solche zuzulassen, als "unfassbaren Rückschritt im österreichischen Universitätswesen".

Ein enormer Rückschritt in graue Vorzeit ist vielmehr die Entwicklung hin zu einer Privatisierung der Bildung mit Studiengebühren. Bildung wird zu einem Privileg einiger weniger, die sich dieses kostbare Gut auch leisten können. Der Zugang zum Erwerb von Wissen darf nicht durch zusätzliche Hindernisse erschwert werden. Denn schon jetzt scheidet für viele Menschen auf Grund ihrer sozialen, familiären Voraussetzungen ein Studium als Option in ihrer Lebensgestaltung von vornherein aus. Die Aufgabe der Regierung wäre eigentlich, Wege zu finden, auch diese Bevölkerungsgruppe mit einem Bildungsangebot zu erreichen.

Ebenso elitär ausgerichtet ist der Vorschlag einer von der Regierung eingesetzten Expertengruppe zur Streichung der Familienbeihilfe für Studenten bei gleichzeitiger Erhöhung der Stipendien. Ein wesentlicher Teil der Studienfinanzierung fiele dadurch weg. In vielen Familien würde in Frage gestellt, ob ein Studium für ihren Nachwuchs tatsächlich notwendig ist oder ob dieser doch lieber gleich mit dem Geldverdienen beginnen soll - als nützliches und vor allem unkritisches Mitglied dieser Gesellschaft.

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