DER STANDARD bringt in seiner Dienstag-Ausgabe einen Kommentar zu Privatuniversitäten in Österreich: Ein Minderheitenprogramm. Die Zulassung von Privatuniversitäten in Österreich bringt weniger, als

viele glauben (von Peter Mayr) Ausgabe vom 26.7.2000

Wien (OTS) - Österreich feiert auf dem Bildungssektor eine Premiere: Seit Montag ist die erste österreichische Privatuniversität zugelassen. Drei andere Bewerber müssen noch warten. Sie dürften ab Sommersemester 2001 folgen.

Auch wenn vielerorts Jubel über die Öffnung des universitären Sektors ausbricht oder beklagt wird, dass dies nicht schnell genug geschehe, sollte man die Kirche im Dorf lassen. Privatuniversitäten werden hierzulande aller Wahrscheinlichkeit nach ein Minderheitenprogramm bleiben.

Geschätzte 600 Studenten werden von der Änderung profitieren können, wenn alle vier Einrichtungen akademische Grade gleich jenen ihrer öffentlichen Pendants verleihen dürfen. Denen stehen 220.000 Studenten an den öffentlichen Universitäten gegenüber.

Dass die Studentenzahlen Schwindel erregende Höhen erklimmen werden, ist unwahrscheinlich. Da ein absolutes Finanzierungsverbot der öffentlichen Hand besteht, müssen sich Privatunis über Firmensponsoring und Studiengebühren finanzieren. Knapp hunderttausend Schilling im Jahr für eine durchschnittlich vierjährige Ausbildung zu zahlen, kann sich kaum jemand leisten -auch mit den derzeitigen Stipendien nicht. Es gelten nämlich die gleichen Regelungen wie für Studierende an öffentlichen Universitäten.

Das Höchststipendium liegt bei knapp 8400 Schilling pro Monat. Damit können vielleicht gerade die Studiengebühren beglichen werden - mehr nicht. Ungeklärt bliebe, wie die Lebenshaltungskosten oder die Miete bestritten werden soll. Für die meisten jungen Menschen werden Privatunis daher kaum eine Rolle spielen - außer sie haben sehr wohlhabende Eltern. Und postgraduale Ausbildung hat es bis jetzt auch schon gegeben.

Wem nutzen also die Privatunis? Den Studenten? Sieht man von der handverlesenen Schar ab, werden die alteingesessenen Einrichtungen auch weiterhin - da noch kostenlos - Hauptanlaufstelle bleiben. Für jene, die ein verschultes System bevorzugen, gibt es als billige, aber äußerst erfolgversprechende Alternative die Fachhochschulen.

Auszuschließen ist weiters, dass an den Privatunis ein Mehrwert an Wissen erwirtschaftet wird. Sie sind auf die reine, wenn auch elitäre, Lehre ausgerichtet. Davon profitieren auch jene Studenten, die sich diese Ausbildung leisten können: Keine Massenveranstaltungen, exquisite Vortragende. Das sind die Pluspunkte dieses Bildungszweiges. Aber geradezu mit Unverständnis wird auf die Frage nach einem Forschungsbetrieb reagiert. So würden bei einem der Privatunibewerber, der IMADEC, gar zwei Nobelpreisträger lehren. Ob das nicht für die Zulassung ausreiche, heißt es etwa. Das universitäre Selbstverständnis beruht aber nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern auch auf Forschungstätigkeit. Nicht zuletzt deswegen schreibt dies auch das Privatuni-Akkreditierungsgesetz vor. Und das wird wohl auch für Privatunis künftig gelten.

Ein wenig halt. Darauf hat man sich am Montagabend bei der entscheidenden Sitzung des Akkreditierungsrates auch schon geeinigt. Eineinhalb Dienstposten pro Lehrgang als unterste Messlatte: Mit diesem Stammpersonal solle langfristig ein Nukleus für die Forschung geschaffen werden.

Ein frommer Wunsch: Wahrscheinlich reicht diese Mannschaft gerade aus, um Diplomarbeiten zu betreuen. Mehr ist da nicht mehr drinnen. Der Stand der Forschung wird so nicht erhöht. Weit mehr dürften in diesem Zusammenhang die so genannten Kompetenzzentren versprechen, wo Universitäten und Wirtschaft kooperieren.

Nützen werden die Privaten jedenfalls einer Personengruppe, die am wenigsten damit gerechnet hat: Den Gegnern von Studiengebühren. Wie in einem groß angelegten Feldversuch, kann man sich bald an den 600 Probanden der Privatuniversitäten die Auswirkung von Studiengebühren im Hinblick auf soziale Auslese ansehen.

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