Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel von Hans Köppl: Hoffentlich eine gute Ehe - Bankenfusion braucht mehr als Vernunft

Erstaunlich lang ließ die Reaktion des Gewerkschaftsbundes auf die Übernahme der Bank Austria durch die bayerische HypoVereinsbank auf sich warten. Erst gestern Nachmittag meldete sich GPA-Chef Sallmutter zu Wort. Raunzerisch mahnend. Als nach der Bildung der blau-schwarzen Koalitionsregierung Absichten zur vollen Privatisierung von noch im Staatsbesitz befindlichen Unternehmen, wie Telekom, Austria Tabak oder Voest, ruchbar wurden, ballte der ÖGB noch drohend seine Faust, um vor Ausverkauf und vermeintlichen Arbeitsplatzverlusten zu warnen.
Jetzt geht die größte österreichische Bank mit Haut und Haar, das heißt mit allen in- und ausländischen Aktiven, ihren Filialen und Industriebeteiligungen, an einen ausländischen Konzern, ohne dass lautstark dagegen protestiert wird. Im Gegenteil, selbst die mit dem ÖGB stets kongenial auslandsskeptischen Sozialdemokraten wollen in der Übernahme einen Sinn erkennen. Wie übrigens auch die rote Betriebsratschefin.
Dass so gut wie keine Bedenken geäußert werden, erstaunt umso mehr, als der De-facto-Abverkauf der Bank Austria volkswirtschaftlich von ungleich größerer Bedeutung ist, als würde sich etwa die Austria Tabak AG in Philip-Morris-Rauch auflösen. Ganz abgesehen davon, dass bereits eine weitere große Bank, die Bawag, mit 49 Prozent an eine deutsche Bank gebunden ist, und dass die PSK im Begriff ist, demnächst ebenfalls unter deutsche Fittiche genommen zu werden.

Die so offenkundig reibungslose Einbindung des Flaggschiffs des österreichischen Geld- und Kreditwesens sowie der Wiener Börse in den bayerischen Großverband zeigt mit aller schmerzlichen Klarheit ein Österreich-Spezifikum auf: Selbst die allergrößten österreichischen Unternehmen sind im internationalen Maßstab zu klein für die Rolle eines echten ãGlobal PlayersÒ. Gemessen an der Marktkapitalisierung rangieren auch Unternehmen wie eine OMV oder eine Voest selbst in Europa nur unter ferner liefen. Für Fusionen in der internationalen Oberliga, wie sie Verbindung von HypoVereinsbank und Bank Austria zweifellos darstellt, bleibt österreichischen Unternehmen immer nur die Rolle des Juniorpartners beschieden.

Wir werden uns damit abfinden müssen, wollen wir uns nicht vom internationalen Markt abschotten. Die Anbindung an die große Welt kann allerdings ganz und gar nicht darauf hinauslaufen, mit den Peanuts des großen Geschäfts abgefunden zu werden. Der Chef der HypoVereinsbank hat die Bank-Austria-Übernahme als Vernunftehe bezeichnet. Als eine solche wurden Liaisonen dieser Art schon oft gepriesen. Tatsache ist freilich, dass Ð wie der britische Economist in seiner jüngsten Ausgabe schreibt Ð Unternehmensfusionen noch häufiger zu Bruch gehen als Hollywood-Ehen.
Die bayerisch-österreichische Liaison ist nach allem, was ein Außenstehender beurteilen kann, strategisch gut angelegt. Die erwarteten Synergien könnten sich durchaus einstellen. Der Erfolg hängt letztlich aber von der Chemie zwischen den leitenden Mitarbeitern ab. Wenn die nicht stimmt, wird aus der Vernunft bald eine Qual.

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