"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Diktat aus Bayern" (von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 24.07.2000

Bregenz (OTS) - Bank-Austria-Generaldirektor Gerhard Randa ist ein Meister der Taktik. Erst hat er die damalige Länderbank an die Zentralsparkasse verkauft, dann um relatives teures Geld und gegen heftigen politischen Widerstand die Creditanstalt erworben - und jetzt hat er den Verkauf des heimischen Bankenriesen an die Bayern-Hypo eingefädelt. Ob diese Aktion als Meisterleistung der wirtschaftspolitischen Strategie in die Geschichte eingehen wird, muss sich erst zeigen. Denn eines ist klar: Die größte österreichische Bank wird künftig von München ausgesteuert. Der hiesige Chef ist ein besserer Filialleiter; er wird auf das Diktat aus Bayern hören müssen, auch wenn er im Vorstand der Muttergesellschaft Sitz und Stimme hat.

Zugute halten muss man Randa, dass die bisherige Bank Austria für Österreich zu groß, für Europa und vollends im Weltmaßstab aber zu klein war. Auf Dauer wäre sie in der derzeitigen Struktur nicht konkurrenzfähig gewesen.Der Verkauf an die Bayern öffnet neue Chancen. Wie weit an denkünftigen Erfolgen auch Österreicher(innen) beteiligt sein werden, bleibt abzuwarten. Dafür fällt umgekehrt auch das Risiko der politischen Interventionin Personalfragen oder gar bei Sachentscheidungen weg. Gerhard Randa kennt diese Gefahr aus eigener Anschauung sehr gut. Die Länderbank, aber auch die Bank Burgenland (an der die Bank Austria mit 40 Prozent beteiligt ist), haben unter solchen Interventionen gelitten. Möglicherweise ist ihm ein bayrischer Chef lieber als der ständige Versuch einer Einflussnahme durch österreichische Politiker.

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