Österreich als neues Zentrum des Frauenhandels

Illegale Prostitution explodiert, skrupellose Ausbeutung in Diplomatenhaushalten

Wien (OTS) - Österreich ist vom Transitland zu einer der führenden Zieldestinationen des internationalen Frauenhandels geworden. Das belegt die noch unveröffentlichte Studie "Bekämpfung des Frauenhandels und der Zwangsprostitution" des Boltzmann-Institutes für Menschenrechte, die das Nachrichtenmagazin FORMAT in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe präsentiert.

Noch nie zuvor wurden so viele Frauen aus Tschechien, der Slowakei und Rumänien nach Österreich geschleust. Die Folge: Laut der druckfrischen Untersuchung ist die Zahl der in Wien illegal tätigen Prostituierten mittlerweile auf 7000 explodiert - wobei sich gerade zehn Prozent regelmäßig gesundheitlichen Checks unterziehen. Zudem sei die Anzahl der Verurteilungen nach Paragraph 217 "Menschenhandel" in den vergangenen zwei Jahren um satte 162 Prozent angestiegen.

Die Einschleusungen nach Österreich werden von straff organisierten Banden durchgeführt, die vom Ausland aus agieren und ihre Filialen in Österreich mitunter als Heiratsvermittlungen tarnen:
"Frauen werden vielfach gefälschte Reisepässe, Reisetickets und Vorzeigegeld für die Einreise zur Verfügung gestellt. In Österreich angelangt, wird ihnen dies wiederum abgenommen. Bei ihrer Ankunft am Zielort sind die Frauen bereits hoch verschuldet und zudem mit dem Status der Illegalität konfrontiert - eine Lage, die sowohl Zuhälter als auch Barbesitzer geschickt zu nutzen wissen", heißt es in der Untersuchung.

Erschütterndes Detail der Boltzmann-Studie: In Wiens Diplomatenkreisen steht die Ausbeutung eingeschleuster Frauen an der Tagesordnung. Frauen aus Sri Lanka, von den Philippinen oder aus Lateinamerika müssen für einen Hungerlohn als Haushaltsangestellte von Diplmaten oder UN-Bediensteten schuften. Studienmitautorin Angelika Kartusch spricht sogar von "diplomatischer Sklaverei": "80 Stunden harter Arbeit pro Woche bei einem monatlichen Verdienst von 4.500 Schilling ohne Krankenversicherung stellen keinen Einzelfall dar."

Das Außenministerium weiß von den Mißständen, interveniert aufgrund der diplomatischen Immunität der Dienstgeber aber nur in den seltensten Fällen.

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