Die MAG ELF zum Thema Kindesweglegung

Wien, (OTS) Aus aktuellem Anlass, dem ausgesetzten Findelkind Gloria, teilt die MAG ELF - Amt für Jugend und Familie mit: Zur Kindesweglegung führen nach den Erfahrungen des Jugendamtes immer "Multiprobleme" in dramatischer Ausprägung. Eine in vieler Weise extrem schwierige Lebenssituation des betroffenen Mädchens/der betroffenen Frau. Meist eine Verleugnung der Realität einer Schwangerschaft und ein Ignorieren der herannahenden Geburt. Fehlendes Vertrauen in die soziale Umwelt und fehlender Glaube an die Möglichkeit, Unterstützung zu finden und Probleme lösen zu können. Eine emotionale Ausnahmesituation, meist während der verheimlichten Schwangerschaft und besonders nach der ebenso verheimlichten Geburt (postpartale Depression), die
Panikreaktionen und Kurzschlusshandlungen bewirken kann.

"Multiprobleme" fordern viele verschiedene Angebote und Lösungsversuche:

Die Angebotspalette für Informationen und Beratung bei ungeplanter und unerwünschter Schwangerschaft ist vorhanden (s. "Auszugsweiser Überblick über Beratungsangebote für Jugendliche bzw. Erwachsene betreffend Sexualität, Schwangerschaft, Schwangerschaftsverhütung und Krisenmanagement", s. wien.online www.wien.at/ - Familie usw.).

Die Stadt Wien, das Bundesministerium für Justiz und im
Herbst der Sozialausschuss des Parlamentes befassen sich mit den Themen "Babyklappe" und "Anonyme Geburt". Die Grundlage dafür wäre eine Änderung im österreichischen Strafrecht, da das "Verlassen eines Unmündigen" einen strafbaren Tatbestand darstellt.

Aus Sicht der Sozialarbeit sollten sich bereits Jugendliche
im Pflichtschulalter im Rahmen des schulischen "Aufklärungsunterrichtes" verbindlich mit dem Thema "unerwünschte Schwangerschaft - Probleme und Auswege" auseinander setzen. Zentraler Ansatz dabei sollte u.a. sein, dass trotz Aufklärung Schwangerschaft "passiert" und an der Übernahme der Verantwortung für ein Neugeborenes kein Weg vorbei führt. Von entscheidender Bedeutung dabei ist das Verdeutlichen der Verantwortlichkeit des schwangeren Mädchens/der schwangeren Frau.

Schaffung eines Angebotes zur "anonymen Schwangerschaftsbetreuung", um mit gezielter Beratung bereits im Vorfeld ansetzen zu können.

In den gesellschaftlichen Diskurs sollten verstärkt folgende Themen eingebracht werden:

o Verantwortung der Burschen/Männer bei unerwünschter

Schwangerschaft
o die Problematik der gesellschaftlichen Verurteilung von Müttern,

die ihr Kind nicht selbst versorgen können oder wollen
o die Bedeutung der Möglichkeit von Ersatzelternschaft, z.B. die

Pflege- oder Adoptivelternschaft
o die Wichtigkeit für jedes Kind zu wissen, wer seine Mutter

ist/seine Eltern sind und daher
o die Kindesweglegung und etwaige künftige andere Formen der

anonymen Zurücklassung eines Kindes nur Extrem- bzw. Notlösungen darstellen können und sollen
o Mädchen und Frauen in solcher Not und Dramatik durch ein Klima

der Toleranz und des Verständnisses in Verbindung mit entsprechend breit gestreuter Information über Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten ermutigt werden sollen, folgende Schritte zu wählen:
- mit dem Kind zu leben, so schwierig es auch sein mag
die Verantwortung für das Kind so wahrnehmen, dass es bei Ersatzeltern leben kann und
- von vorn herein keiner Risikoschwangerschaft oder -geburt ausgesetzt wird oder durch Weglegung in Gefahr gerät und
über seine Herkunft Bescheid weiß.

Statistische Informationen über Kindesweglegungen in Wien

Von 1980 bis 1999 verzeichnete die Wiener Adoptionsstelle des Amtes für Jugend und Familie 23 Findelkinder (13 Buben und 9 Mädchen). Die meisten kamen zu Adoptiveltern, nur 3 wurden schließlich von ihren Müttern übernommen. Bei 10 Kindern wurde die Mutter gefunden.

Kontakt: MAG ELF-Servicestelle, Tel. 4000/8011, e-mail:
service@m11.magwien.gv.at

o MAG ELF - Servicestelle

Auszugsweiser Überblick über Beratungsangebote für Jugendliche (Stand 4/00)

o Beratung von Jugendlichen über Sexualität, Schwangerschaft bzw.

Schwangerschaftsverhütung, Krisenmanagement
Beratungsstelle für Familienplanung/Jugendberatung der Stadt
Wien
1190 Wien, Heiligenstädterstraße 82-86 (Karl-Marx-Hof)
Tel. 369 89 88
Dienstag 17.30 - 19.30 Uhr (keine Beratung während der Schulferien)

o First Love

Krankenanstalt Rudolfstiftung
1030 Wien, Juchgasse 25
Tel. 711 65/4712
Montag 14 - 16 Uhr
Mittwoch 14 - 16 Uhr

o Hotlines

F.E.M. - Gynäkologische Hotline
Tel. 47 615/5772
Mittwoch 14 - 15 Uhr

o "Herzklopfen"

Tel. 0660/88 51 (österreichweit zum Ortstarif)
Samstag 14 - 18 Uhr

Bei Fragen und Problemen aller Art:

o MAG ELF-Servicestelle

Tel. 4000/8011
Montag - Freitag 8 - 18 Uhr

o Kindertelefon der MAG ELF

Tel. 319 66 66
Montag - Freitag 10 - 20 Uhr

Beide 1030 Wien, Rüdengasse 11

o Frauennotruf der Stadt Wien

Tel. 71 71 9
rund um die Uhr

o "Rat auf Draht" - ORF

Tel. 147
rund um die Uhr

o Wiener Kinder und Jugendanwaltschaft

Tel. 17 08
1110 Wien, Lorystraße 40-42
Tel. 749 68 50

1150 Wien, Geyschlägerstraße 2
Tel. 982 25 00

1200 Wien, Dresdnerstraße 73
Tel. 33 140/89699

1220 Wien, Langobardenstraße 128/12
Tel. 285 45 37

Beratung bei Problemfragen

o Im Institut für Erziehungshilfe

1100 Wien, Sahulkastraße 5/Stg. 35
Tel. 616 16 74
Montag - Freitag 9 - 17 Uhr (Frau Dr.Smolen)

(Schluss) bz

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