Ozongefahr am Bau

ÖGB-Driemer warnt: "Ozon gefährdet die Gesundheit der BauarbeiterInnen"

Wien (GBH/ÖGB): "Es wird Zeit, dass endlich wirksame Massnahmen zum Schutz von BauarbeiterInnen vor Ozon getroffen werden", stellte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Bau-Holz und ÖGB Vizepräsident, Johann Driemer, anlässlich der Pressekonferenz "Ozon am Bau gefährdet Ihre Gesundheit", die die Gewerkschaft Bau-Holz heute gemeinsam mit den Grünen und der AUVA durchgeführt hat, fest.++++

"Die verregneten Tage der letzten Wochen dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass 78 Prozent der BauarbeiterInnen sagen, dass sie unter den besonderen Arbeitsbedingungen durch Umweltbelastungen zu leiden haben", führt Driemer aus. 39 Prozent der Krankenstände in der Bauwirtschaft erfolgen auf Grund von Luft-und Atemwegserkrankungen. "Ozon ist neben Abgasen und Staub eine der Ursachen dafür", so Driemer weiter.

Ozon schützt zum einen in der Ozonschicht, die unseren Planeten umgibt, die Erde vor der harten ultravioletten Strahlung, zum anderen kann Ozon, das in Bodennähe vorkommt, für Pflanzen, Tiere und Menschen gefährlich werden. Ozon wird durch eine fotochemische Reaktion, also durch intensive Sonneneinstrahlung, ausgelöst. Da bodennahes Ozon vor allem tagsüber bei intensiver Sonneneinstrahlung gebildet wird, treten Ozonspitzenwerte meistens zur Mittagszeit auf und dauern mehrere Stunden an.

Die von der Gewerkschaft Bau-Holz in Auftrag gegebene Studie "Muss Arbeit die Gesundheit kosten?" hat auf mögliche Schädigung der Atemwege von BauarbeiterInnen durch Ozon hingewiesen. Bei gesunden Erwachsenen können bei Ozonkonzentrationen Beschwerden in Form von Trockenheit der Nasen- und Rachenschleimhaut, trockenem Husten und leichten Kopfschmerzen auftreten. Ozon reagiert, da jedes Ozonmolekül ein freies Sauerstoffatom besitzt, aggressiv beim Auftreffen an Schleimschicht der Atemwege oder direkt im Lungengewebe. Bei höheren Konzentrationen von Ozon werden deutliche Wirkungen auf die Lungenfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit nachgewiesen. Außerdem kann ein unangenehm stechender Geruch wahrgenommen werden.

BauarbeiterInnen, die im Freien hohe körperliche Anstrengungen zu leisten haben, zählen zu den Risikogruppen. Anstrengung erhöht die Atemfrequenz und den Stoffwechsel, sodass größere Mengen an Luft und damit auch an Ozon in die Lungen gepumpt werden. Es können Symptome wie Leistungsabfall, verstärkte bronchiale Reaktionen auf Lungenreizstoffe und Allergene, Kopfschmerzen oder Rötung der Augenbindehaut auftreten. Vor BauarbeiterInnen wird aber nach wie vor verlangt, dass sie, wie selbstverständlich, weiterarbeiten. "Dies ist deshalb bedenklich, weil ab einem Wert von 0,3 mg/m3 Luft eine nicht unerhebliche Gesundheitsgefährdung vorliegt und bei Erreichen der Vorwarnstufe schon Reizungen und leichte Beeinträchtigungen gegeben sein können, erklärt Driemer.

Bei Ozongefahr die Arbeit einstellen

Schon seit Jahren fordert die Gewerkschaft Bau-Holz die Einbeziehung der Gesundheitsgefährdung durch Ozon in die Regelung des Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetzes. Driemer: "Bereits 1996 haben wir zur Umsetzung dieser Forderung einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorbereitet, der damals jedoch an der Haltung der Arbeitgeberseite gescheitert ist".

Die Gewerkschaft Bau-Holz hat sich nunmehr entschlossen, gemeinsam mit Partnern erneut eine Kampagne zur Aufnahme der Ozonbelastung in dieses Gesetz zu starten. Der Bundesvorsitzende hat bereits in Schreiben an die Bundesminister Dr. Bartenstein und Dr. Sickl die Position der Gewerkschaft Bau-Holz dargestellt und die Umsetzung der Vorschläge gefordert. "Es ist nicht einzusehen, dass die BauarbeiterInnen mit ihrer Gesundheit für die Untätigkeit der Bundesregierung und für die Weigerung der Arbeitgeberseite ihrer Verantwortung für ihre ArbeitnehmerInnen nachzukommen, zahlen müssen", so Driemer abschließend.

ÖGB, 20. Juli 2000
Nr. 632

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