"GeschenktesÒ Bauern-Geld Warum 41 Milliarden S aus Brüssel auch wehtun Von Karin Haas

Geld zu bekommen, kann sich ganz schön aufs Gemüt schlagen. Dann nämlich, wenn man Bauer ist. Oft hören zu müssen, dass Geld aus Brüssel, verdoppelt von der Republik, ãgeschenktÒ ist, steigert nicht gerade die Freude an der Arbeit.
Die Vokabel Förderung, Subvention und Prämie machen es auch nicht viel besser. Was bleibt, ist das für Bauern schale Gefühl, dass ihre Arbeit nicht viel wert sein kann, wenn man von ihr allein ohne Zubessern der öffentlichen Hand nicht leben kann.
Der Anteil öffentlichen Geldes an den Einkünften in Land- und Forstwirtschaft ist in Österreich auf knapp 70 Prozent gestiegen. Bei Bergbauern sind bereits drei von vier Umsatzschillingen aus Brüssel, Wien oder von den Landesregierungen. Dass dies nicht geschieht, weil die Bauern vielleicht abgewirtschaftet hätten, sondern weil man Rahmenbedingungen so verändert hat, dass oft nicht mehr zu verdienen ist, kann im bis auf den letzten Grashalm geregelten Agrarsystem Kritikern nicht in ein paar Sätzen erklärt werden. Die plakative Zahl von 41 Milliarden Schilling aus Brüssel bis zum Jahr 2006 für Österreichs Bauern, verdoppelt dank Bund und Länder, schießt hingegen direkt ins Hirn gerade der Neider.
Noch sitzen die Bauern im Boot der Bevölkerung und werden besonders von Städtern als unverzichtbar erachtet, als Teil von Lebensqualität und Alltagskultur. Doch auch wenn die Akzeptanz hoch ist, deuten Parameter in eine entgegengesetzte, besorgniserregende Richtung.
So gaben 57 Prozent der Oberösterreicher heuer im Mai an, dass Einkommensverluste von Bauern kompensiert werden sollten. Vor zwei Jahren waren es noch fünf Prozentpunkte mehr gewesen, also 62 Prozent. Das hat das Linzer market-Institut für das Land Oberösterreich erhoben. Die Daten sind auf ganz Österreich umlegbar, meint market.
Froher mag die Landwirte stimmen, dass immerhin drei Prozent der Befragten von sich aus das Thema Unterstützung für die Landwirtschaft auf die Frage nach den ãgroßen politischen Problemen in OberösterreichÒ nannten. Das ist auf der spontanen Problemskala immerhin Rang sieben vor EU-Sanktionen, Sozialleistungen, Pensionssicherung, Wirtschaftsproblemen, Arbeitsplatzangst und Stau auf den Straßen.
Weniger froh stimmt, dass diese drei Prozent vielleicht ausgerechnet die Landwirte selbst sind, die diese Probleme haben und da dürfte nicht einmal jeder Befragte in eigener Sache agiert haben.

Zudem fällt auf, dass die Zahl der Neider mit der Größe der Bauernhöfe in deren Wohngegend korreliert. Im Innviertel mit seinen mächtigen Vierkantern sind nur 42 Prozent der Bevölkerung dafür, dass bäuerliche Einkommensverluste mit öffentlichen Geldern wettgemacht werden; im agrarisch weniger begünstigten Mühlviertel immerhin 63 Prozent.
Wie fremd die Mechanismen des agrarischen Regelwerks sind, zeigt einmal mehr die simple Frage nach der Agenda 2000. Jeder dritte Befragte hat von diesem Zielkatalog der EU für sämtliche Belange der Gemeinschaft einschließlich Landwirtschaft noch nie etwas gehört. Irgendwie tröstlich, dass laut Umfrage auch 17 Prozent der Landwirte mit dem Begriff ãAgenda 2000Ò nichts anfangen können.

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