Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2000 für Hirnforschung / Gestaltwahrnehmung in der Technik mit Erkenntnissen aus der Natur

Hamburg (ots) - In diesem Jahr verleiht die Hamburger Körber-Stiftung den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft an ein internationales Forscherteam, das Arbeiten auf dem Gebiet der Hirnforschung durchführen wird. Preisträger sind:

Prof. Dr. Christoph von der Malsburg (Koordinator), Institut für Neuroinformatik, Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Rodney Douglas, Institute of Neuroinformatics, ETH Zürich, Prof. Dr. Amiram Grinvald, Weizmann Institut, Rehovot, Israel, Prof. Dr. Randolf Menzel, Institut für Biologie, FU Berlin und Prof. Dr. Wolf Singer, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt a.M.

Die fünfköpfige Forschergruppe wird elementare Leistungen des Gehirns untersuchen, besonders bezüglich des Seh-, Hör- und Riechsinnes. Das Projekt soll zum Beispiel aufklären, wie das Nervensystem visuelle Reize beim Erkennen eines Gegenstandes verarbeitet und prüfen, wie man diese Fähigkeit auch auf technische Systeme anwenden kann.

Das Erkennen von Objekten ist eine zentrale Funktion des Gehirns, die nur möglich wird, indem etwa im Visuellen die gesehene Szene in Abschnitte zerlegt wird: Merkmale, die ein Objekt charakterisieren, müssen identifiziert, als zusammengehörig erkannt und so miteinander verbunden werden, dass das Objekt eindeutig identifizierbar ist.

Diesen Mechanismus der Gestaltwahrnehmung wollen die Preisträger mit neuesten Methoden untersuchen, indem sie beispielsweise visuelle Reize in der Hirnrinde an Hunderten von Nervenzellen gleichzeitig messen und per Software auswerten (Prof. Grinvald, Prof. Singer). An der Honigbiene soll herausgefunden werden, wie das Tier einen bestimmten Duft vor dem Hintergrund anderer Gerüche identifiziert und ihn im Gedächtnis behalten kann (Prof. Menzel). Diese Erkenntnisse sollen dann genutzt werden, um technische Systeme für die Mustererkennung zu entwerfen und bis zur Einsatzbereitschaft weiterzuentwickeln (Prof. Douglas, Prof. von der Malsburg).

Eine solche Mustererkennung ist bei technischen Systemen noch weitgehend ungelöst, fände aber eine Fülle wirtschaftlich wichtiger Anwendungen: Automaten und Roboter könnten Fertigungsprodukte, Verkehrsteilnehmer, Banknoten, Gesichter oder Sprache identifizieren. Im medizinischen Bereich wäre ein preisgünstiger "Cocktailparty-Prozessor" wünschenswert: Er könnte es einer Vielzahl hörgeschädigter Menschen wieder ermöglichen, aus einem Wirrwarr durcheinander sprechender Personen eine bestimmte Stimme herauszuhören. Auch die Entwicklung "intelligenter" Sehhilfen wäre denkbar.

Grundlage für die Arbeit an dem Projekt sind die bisherigen bahnbrechenden Leistungen der Preisträger: Sie entwickelten unter anderem Techniken, um Erregungsmuster in Nervennetzen über Raum und Zeit zu verfolgen, entwarfen miniaturisierte neuronale Schaltkreise für Computerchips oder simulierten biologische Rechenvorgänge bei der Musterverarbeitung mit Parallelrechnern.

Die Preisträger sollen mit dem Preisgeld des Körber-Preises in Höhe von 750.000 Euro dazu beitragen, die vorhandenen Probleme durch Lernen von der Natur zu lösen.

Kuratorium:
Prof. Dr. Hubert Markl (Vors.)
Prof. Dr. Richard J. Brook
Prof. Dr. Benno Parthier
Prof. Dr. David N. Reinhoudt
Prof. Dr. Dagmar Schipanski
Prof. Dr. Peter C. Scriba
Prof. Dr. Widmar Tanner
Prof. Dr. Heinrich Ursprung

Projektleitung:
Dr. Nikolaus Besch

Die Körber-Stiftung

Die private und gemeinnützige Körber-Stiftung engagiert sich seit vier Jahrzehnten im Bereich der internationalen Verständigung, sie fördert die historisch-politische Kultur sowie Wissenschaft und Forschung. Als operative Stiftung initiiert und finanziert sie ihre vielfältigen Aktivitäten selbst. In ihren Projekten will sich die Hamburger Stiftung mit aufkommenden Problemen auseinandersetzen und insbesondere Menschen fördern, die an einer aktiven Gestaltung unserer Gesellschaft mitwirken wollen.

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