"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Das Expo-Debakel" (von Monika Dajc)

Ausgabe vom 17. 7. 2000

Innsbruck (OTS) - Es sind eben die ehernen Gesetze des Marktes,
die am anschaulichsten zeigen, woran Bedarf besteht, schrieben wir 1998, als das Debakel der Lissaboner Weltausstellung immer deutlicher wurde. Fast zeitgleich mit der offiziellen portugiesischen Endabrechnung samt dem sich auf acht Milliarden Schilling belaufenden Defizit hat man sich bei der Expo in Hannover nach sechs Wochen endgültig von der Hoffnung auf bessere Zukunft verabschiedet. "Wir werden das Ziel von 40 Millionen Besuchern nicht mehr erreichen", bilanzierte Birgit Breuel, Chefin des bunten Weltspektakels.

Die Zahl der Staunenden in den Pavillons blieb von Anfang an unter den Erwartungen, bald dürfen sich die Steuerzahler die Augen reiben, Bund und Land Niedersachsen das Defizit friedlich teilen. Neugierig machen, den Horizont erweitern, ist der vorrangige Ansatz von Weltausstellungen. Daran hat sich seit der Premiere 1851 im Londoner Kristallpalast nichts geändert. Doch um diese Bedürfnisse zu befriedigen, muss man sich zu Beginn des dritten Jahrtausends eben nicht mehr auf den Weg machen oder in Warteschlangen einreihen. TV-Information und Mausclick machen rund um die Uhr viel möglich -tiefe Einblicke und höchst lebendige Ausblicke. Ortsfeste Mammutprojekte, die mit einem gerüttelt Maß an Nationalstolz garniert sind, gelten dagegen als Attraktionen einer weit zurückliegenden Vergangenheit. Daran ändern auch gelungene Einzeldarstellungen nichts. Bleibt für Hannover und Lissabon das magere Fazit, zumindest ihre Infrastruktur auf die Höhe der Zeit gebracht zu haben.

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