"Im Straßenverkehr sind die Schnelleren selten die Klügeren" - Welche Argumente wirken gegen rücksichtsloses Fahren?

Wien (OTS) - "Im Straßenverkehr sind die Schnelleren selten die Klügeren" - Welche Argumente wirken gegen rücksichtsloses Fahren?

"Im Straßenverkehr sind die Schnelleren selten die Klügeren". Dieser und 40 weitere Slogans bzw. Argumente gegen das Schnellfahren wurden vom Motivforscher Mag. Michael Praschl im Rahmen einer vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds geförderten Studie getestet.

Es zeigt sich, dass die häufig eingesetzten angsterregenden Appelle kaum dazu geeignet sind, Verhaltensänderungen bei rasanten Fahrern zu bewirken. Überhaupt kann mit drastischen Hinweisen auf die Folgen des Schnellfahrens oder auch des alkoholisierten Fahrens nur wenig erreicht werden. Die meisten Lenker schließen einen Unfall nahezu völlig aus, da sie von ihrem Fahrkönnen absolut überzeugt sind und meinen, alle Situationen fest im Griff zu haben. Gefahrenappelle werden deshalb zumeist als nur für die anderen (...weniger guten Fahrer) gültig erachtet.

Angst- und Gefahrensymbole wie z.B. Totenköpfe wirken nur selten abschreckend, sondern üben - besonders auf ohnehin risikofreudige Fahrer - eine große Faszination aus. Manche verzieren sogar ihr Fahrzeug oder ihre Jacke mit solchen Symbolen.

Mit welchen Argumenten könnte nun etwas bewirkt werden?

Die Tests zeigen eine deutliche Überlegenheit der sachlichen, aber "starken" (keinesfalls harmlosen!) Argumente. Eine überaus wichtige Rolle spielt auch der Sender einer Sicherheitsbotschaft. Staatliche Instanzen sind als Sender von Verkehrssicherheitskampagnen nicht gut geeignet, da sich die Fahrzeuglenker nicht gerne von der "Obrigkeit" erziehen lassen wollen.

Im Gegensatz dazu lassen sich Leitfiguren mit hohem Fahrkönnen und hoher Glaubwürdigkeit gut als Botschaftsvermittler einsetzen. Besonders gut wäre hier Niki Lauda geeignet, dem hohe fahrerische Kompetenz und - als Pilot - auch hohe Sicherheitskompetenz zugeordnet werden. Niki Lauda gilt außerdem als besonders glaubwürdig. Aber auch Autohersteller wären effektive Botschaftssender und sollten sich viel häufiger an Sicherheitskampagnen beteiligen.

Im Test schnitten die folgenden Argumente sehr gut ab:

64% sprechen dem "Fairnessargument" eine hohe Wirkung auf sich selbst zu, insbesondere dann, wenn Niki Lauda als Botschaftssender auftreten würde:

"RISIKO IST UNFAIR! Niki Lauda bringt es auf den Punkt: Risiko ist OK, wenn Du keine anderen gefährdest. Risiko ist auch OK, wenn alle Beteiligten damit einverstanden sind. Im Straßenverkehr kannst Du den anderen ein erhöhtes Risiko nicht aufzwingen. Das ist unfair und absolut widerlich!" Ohne Niki Lauda als Botschaftssender ist die Akzeptanz des gleichen Arguments deutlich geringer (Niki Lauda wurde nur zu Testzwecken genannt. Das Argument stammt nicht wirklich von ihm.).

62% würden sich vom folgenden "Fahrstilargument" beeinflussen lassen:

"FAHREN MIT STIL. Der wahre Könner fährt so, dass seine Mitfahrer von der Fahrt kaum etwas merken und am Ziel entspannt aussteigen. Bieten Sie Ihren Passagieren eine angenehme, genussvolle Atmosphäre -Fahren Sie mit Stil." Sehr zu empfehlen wäre auch eine etwas emotionalere Neuauflage der seinerzeitigen "Gleiten"-Kampagne des Öamtc.

53% schreiben dem Slogan "IM STRASSENVERKEHR SIND DIE SCHNELLEREN SELTEN DIE KLÜGEREN", der als Plakat oder Transparent auf Autobahnen eingesetzt werden könnte, eine gute Wirkung zu. Im Experiment wurde dieser Slogan am besten akzeptiert, wenn Mika Häkkinen als Sender genannt wird. Der gleiche Slogan erreicht nur 33% Zustimmung, wenn eine Behörde als Sender auftritt. Aus psychologischer Sicht dürfte dieser Slogan vor allem zur Bekräftigung der vernünftigen Fahrer geeignet sein.

Motivforscher Michael Praschl: "Gut gemachte Sicherheitskampagnen könnten jedenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Hebung der Verkehrssicherheit leisten. Voraussetzung ist aber einerseits die richtige Argumentation und andererseits die optimale Abstimmung mit allen anderen Aktivitäten zur Hebung der Verkehrssicherheit."

Der Projektbericht "Speedless - Effektive Argumentation gegen Schnellfahren", Band 104 der Reihe "Forschungsarbeiten aus dem Verkehrswesen" wird nächste Woche vom BM für Verkehr, Innovation und Technologie veröffentlicht und kann sicherlich dazu beitragen, die Wirksamkeit zukünftiger Verkehrssicherheitskampagnen zu erhöhen. Bestellung bei: isabella.aigner@magnet.at

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