"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Von Vernunft und Ehrgeiz

Ausgabe vom 13. Juli 2000

Klagenfurt (OTS) - Vernunft ist ein verlässlicher Berater: Sie drängelt nicht, ist maßvoll. Anders der Ehrgeiz. Er schubst und stößt, will alles auf einmal, und erreicht flugs das Ziel. Wenn Österreichs Politik heute Vernunft gegen Ehrgeiz tauscht, ist primär ein wacher Geist geboten. Jener Geist, der billigen Populismus von seriöser Verantwortung zu unterscheiden weiß. Exakt diese beiden Möglichkeiten müssen uns für die Ankündigung des Kärntner Landeshauptmannes, die Schulden unseres Landes binnen vier Jahren auf null zu reduzieren, hellhörig machen. Vor dem Jubel, vor dem Schimpfen, ist die Frage zu klären: Billiger Populismus oder seriöse Verantwortlichkeit? Will die Politik mit einer Budgetshow den Menschen die einst zugesagten "Geschenke", als ein Versprechen noch keinen Schilling kostete, austreiben? Will sie jene potentiellen Wähler für sich gewinnen, deren Verstand schon seit Jahren nach einem Sparkurs schreit? Oder aber ist es der Politik Ernst: Will sie mit dem Abbau des Schuldenberges die Bases für einen zukunftsschweren Neuanfang wagen? Ernst wenn diese Fage geklärt ist - erst dann -, gilt es, über das Wie nachzudenken. Über Machbarkeit. Über Auswirkung. Vor allem über die Zahler: Über jene Österreicher, die die Last der Schuldentilgung tatsächlich zu tragen haben. Auch wenn Milliardenbeträge durch einen Privatisierungsschub flüssig werden, steht das "Aber" außer Zweifel: Denn Privatisierung ist mehr als ein Wort. Privatisierung zeigt Wirkung. Wirkung, die - über kurz oder lang - den kleinen Mann zur Kasse bittet.

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