Gewerbe-Konjunktur kommt endlich in Fahrt

Auftragsbestände steigen trotz schwacher öffentlicher Nachfrage - konsumnahe Branchen legen zu Toifl: "Betriebe könnten 13.000 neue Jobs schaffen"

Wien (PWK603) - "Die Gewerbe-Konjunktur kommt endlich in Fahrt und der Aufschwung wird anhalten", freut sich Georg Toifl, neugewählter Obmann der Bundessektion Gewerbe, Handwerk, Dienstleistung über die neuesten Konjunkturdaten des Instituts für Gewerbe und Handelsforschung, die heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in der Wirtschaftskammer Österreich präsentiert wurden. Im II. Quartal 2000 ist nicht nur der Auftragsbestand in allen investitionsgüternahen Branchen im Durchschnitt um 0,6 Wochen (+5%) gestiegen. Erstmals seit 1992 überwiegen auch in den konsumnahen Branchen die Betriebe mit einer guten Umsatzentwicklung und optimistischen Erwartungen.

Deutlich mehr Aufträge als im Vorjahr melden die Branchen Metall/Elektro, Chemie/Kunststoff und Druck/Papier, die vor allem von der guten Industriekonjunktur profitieren. Etwas bescheidener entwickelte sich die Auftragslage angesichts der flauen Baukonjunktur im Baugewerbe, in den baunahen Branchen und im Sektor Holz. Auch die Wirtschaftsdienstleistungen wie Werbung und Marktkommunikation konnten nach einem Höhenflug im vergangenen Jahr heuer nur mehr wenig zulegen. Für das III. Quartal rechnen jedoch alle investitionsgüternahen Branchen mit einer besseren Auftragslage.

Der Anteil der öffentlichen Aufträge ist auf 14% des durchschnittlichen Auftragsbestandes gesunken. Das ist der niedrigste Stand, der je erhoben wurde. Vor allem im Baubereich, der besonders stark von öffentlichen Aufträgen abhängig ist, sinkt der Anteil weiter dramatisch ab. Leicht gestiegen ist der Anteil der öffentliche Aufträge lediglich bei den Wirtschaftsdienstleistungen und im Sektor Chemie/Kunststoff.

Auch in fast allen konsumnahen Branchen hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr deutlich gebessert. Umsatzzuwächse melden vor allem der Sektor Nahrung/Genussmittel, die KFZ-Techniker, Mechatroniker und die persönliche Dienstleistungen. Mit Umsatzrückgängen sind weiterhin die Branchen Textil und Bekleidung konfrontiert, wo Nachfrageänderungen und Strukturschwächen die konjunkturelle Entwicklung überlagern. Auch für das III. Quartal rechnen die meisten Betriebe mit Ausnahme des Sektors Textil/Bekleidung, mit einer anhaltend positiven Entwicklung.

Die stabile Konjunktur in Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Im dritten Quartal wollen die Betriebe ihren Personalstand um 2,2% erhöhen. "Damit könnten etwa 13.000 neue Jobs geschaffen werden", erklärte Toifl. Zusätzliche Fachkräfte werden vor allem von den Wirtschaftsdienstleistern und im Sektor Chemie/Kunststoff gesucht.

Regional hat sich die Konjunktur im II. Quartal 2000 deutlich unterschiedlich entwickelt. Spürbar angezogen hat die Konjunktur der investitionsgüternahen Branchen in Kärnten (+2,2 Wochen), Oberösterreich (+1,8 Wochen), Wien (+1,4 Wochen) und Vorarlberg (+1,2 Wochen). Die stärksten Rückgänge mussten Salzburger (-0,6 Wochen) und Tiroler (-1,8 Wochen) Betriebe hinnehmen.

Was die Zukunft der Wohnbauförderung betrifft, so warnte Toifl vor schockartigen Maßnahmen, die vor allem der krisengeschüttelten Bauwirtschaft den wirtschaftlichen Boden unter den Füssen wegziehen würden. Wichtiger sei es zunächst, das System zu optimieren und die Treffsicherheit der Mittel zu erhöhen. So könnte Finanzminister Grasser im Rahmen seiner Verwendungskontrolle dafür sorgen, dass die Bedarfszuweisungen an die Bundesländer in der Höhe von 8 Mrd Schilling auch tatsächlich für den Wohnbau eingesetzt werden und nicht zum Stopfen von Budgetlöchern missbraucht werden. Weiters sprach sich Toifl für die Umstellung des Systems von einer starken Objekt- auf Subjektförderung aus. Förderungen dürften jedoch nur dann gewährt werden, wenn offizielle Rechnungen für geleistete Arbeitszeit von befugten Handwerksunternehmen vorliegen. Dann könnten mit der Wohnbauförderung weitere zusätzliche beschäftigungswirksame Impulse gesetzt und die Schattenwirtschaft wirksam bekämpft werden.

Das jüngste Lehrlingspaket der Bundesregierung bezeichnete Toifl als "entscheidenden Schritt in die richtige Richtung". Langjährige Forderungen der Bundessektion wie die Verlängerung der Probezeit und die Verkürzung der Behaltefrist wurden erfüllt. Offen sei noch die Frage der besseren Lösbarkeit von Lehrverträgen. In diesem Zusammenhang sprach sich Toifl für die Einführung des Leistungsprinzips in der gesamten Lehrlingsausbildung aus, wie es bereits im Metallgewerbe verwirklicht wurde. Wer z.B. im ersten Lehrjahr "sitzenbleibt", erhält nicht mehr wie bisher automatisch die Lehrlingsentschädigung des zweiten Lehrjahres.

Die rund 80.000 Unternehmer im Wirtschaftszweig Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung sind mit knapp 600.000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber Österreichs. Sie bilden fast 60% aller Lehrlinge aus. (MH)

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