Wesentlich höhere Unfallgefahr, aber weniger Schutz für Senioren

"Sicher Leben" ermittelt in österreichweiter Studie wesentliche Risikofaktoren für ältere Menschen

Wien (OTS) - Senioren: So viele Unfalltote und Unfallkosten wie
alle jüngere Altersgruppen zusammen

1998 starben 1237 Österreicherinnen und Österreicher über 60 Jahre bei Unfällen. Das ist beinahe gleich viel wie alle Unfalltoten unter 60 zusammen, nämlich 126 Tote. Die Unfallverletzungen von Senioren kosten mit rund 5,9 Milliarden Schilling fast ebensoviel wie die Unfallkosten aller jüngeren Altersgruppen mit 6,3 Milliarden Schilling. Menschen ab 60 Jahren leiden schwerer und länger an den Folgen von Unfällen als andere Altersgruppen.

Rund 189.000 Personen über 60 Jahre verletzen sich zumindest einmal im Jahr.Die weitaus häufigste Verletzungsursache bei älteren Menschen ist der Sturz bei der Fortbewegung im Haushalt oder als Fußgänger. Eine der dramatischsten Sturzfolgen bei älteren Menschen ist die "Schenkelhalsfraktur", von der vor allem Frauen betroffen sind.

Die "Sicher Leben"-Studie Von 1995 bis 1996 erhob das Institut "Sicher Leben" durch 2889 Interviews mit Seniorinnen und Senioren deren Unfälle, Unfallfolgen und Risikofaktoren. Die Ergebnisse liegen nun in einer Studie vor.

Risikofaktor 1: Frauen stärker gefährdet Frauen haben ein höheres Verletzungsrisiko als Männer. Sie verletzen sich durchwegs schwerer, der Anteil stationärer Behandlungen ist bei Frauen in allen Altersklassen über jenem der Männer. Eine Ursache dafür ist, daß Frauen die meiste Arbeit im unfallgefährlichsten Lebensbereich erledigen: Dem Haushalt. Weiters sind sie von Osteoporose stärker als Männer betroffen, was bei Stürzen häufiger zu schwereren Verletzungen führt.

Risikofaktor 2: Niederes Einkommen und schlecht ausgestattete Wohnungen Personen mit niedrigem Einkommen und Bewohner von kleinen und schlecht ausgestatteten Wohnungen verletzen sich öfter. Je älter die Wohnung ist, desto höher ist das Verletzungsrisiko. Unfallhaushalte weisen selten Sicherheitseinrichtungen, aber viele Stolperfallen auf.

Risikofaktor 3: Einsamkeit und Depression Einsamkeit führt zu einem erhöhten Unfallrisiko. Verheiratete Personen haben seltener Unfälle. Auch hier sind die Frauen stärker betroffen als Männer, da die Zahl weiblicher Einpersonenhaushalte aufgrund der höheren Lebenserwartung und der Kriegsfolgen wesentlich höher ist. Senioren mit geringem seelischem Wohlbefinden im Sinne von Zukunftsorientierung, Lebenszufriedenheit und Interesse an der Umwelt haben ebenfalls ein höheres Unfallrisiko.

Risikofaktor 4: Mangelnde Fitneß Unter den Unfallopfern finden sich häufig Senioren, die sich weniger fit fühlen und sich seltener körperlich betätigen, häufiger Gesundheitsbeschwerden haben und die eigene Kondition als schlechter bezeichnen als Personen ohne Unfall. Ältere Unfallopfer betreiben weniger anstrengende Tätigkeiten wie etwa Wandern, Schwimmen oder Radfahren.

Risikofaktor 5: Medikamente Verunglückte Senioren nehmen häufiger Medikamente gegen Schlafschwierigkeiten als ältere Menschen ohne Unfälle.Bei Unfallopfern mit stationärer Behandlung spielt die Einnahme von Schlafmitteln eine gewichtige Rolle. Bei der Einnahme anderer Arzneien unterscheiden sich die beiden Gruppen kaum.

Kisser: Senioren als verlorene Generation in der Unfallverhütung "Bei Senioren sind beinahe gleich viele Unfalltote zu beklagen wie in allen jüngeren Altersgruppen zusammen. Obwohl die durch Seniorenunfälle verursachten Kosten gleich hoch sind wie die aller anderen Altersgruppen, wird die Unfallverhütung für Senioren von den Verantwortlichen noch vernachlässigt?, sagt Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes" Sicher Leben.

"Sicher Leben"-Forderungen

Musterbauordnung Eine österreichweit einheitliche Musterbauordnung soll unterschiedliche Regelungen bezüglich Brandschutz, Einbruchsschutz sowie Barrierefreiheit und Pflegefreundlichkeit beseitigen und generell stärker als bisher eingebaute Unfallgefahren vermeiden.

"Barrierefreiheit" um den Begriff "senioren- und kindergerecht" ergänzen "Barrierefrei" wird derzeit mit "Rollstuhlgerecht" gleichgesetzt. Dabei wird übersehen, daß Barrierefreiheit vielen Menschen, etwa Kindern und älterer Menschen dient, während "rollstuhlgerechtes" Bauen nicht für alle Bauwerke möglich ist, etwa Einfamilienhäusern mit nur wenigen Stockwerken.

Verbindliche Norm Die ÖNORM B 1600 (barrierefreies Bauen) soll für alle öffentlichen Gebäude in allen Bundesländern ohne Einschränkungen verbindlich sein. Auch für Wohnbauten soll die Norm verbindlich sein, wobei jedoch bundesweit einheitliche Erleichterungen gestattet sein sollen. Dazu zählt, daß aus Kostengründen ein Lift nur für Wohnneubauten mit mehr als drei Geschossen verpflichtend sein soll.

Qualitätszeichen für seniorengerechtes Wohnen Für barrierefreies, kind- und altersgerechtes Wohnungen gibt es ein Qualitätszeichen, das den Anbietern innovativer Wohnformen Markt- und Publizitätsvorteile bringt. Dieses soll nun verstärkt verbreitet werden.

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