550.000 Gräber, 17.500 Beerdigungen, 600 Arbeitsplätze

Wien, (OTS) Rund 550.000 Grabstellen auf 46 städtischen Friedhöfen werden von der "MA 43 - Städtische Friedhöfe" verwaltet, davon rund 250.000 auf dem Wiener Zentralfriedhof, dem zweitgrößten Europas. Über Aktuelles aus diesem Bereich berichteten Wirtschaftsstadträtin Mag. Brigitte Ederer und der Leiter der MA 43, Senatsrat Dipl.-Ing. Helmut Johannides, im
Rahmen eines Pressegespräches

Um die Dimensionen der Bereiche, für die die MA 43 verantwortlich ist, zu veranschaulichen, hier ein Vergleich:
Allein das Areal des Zentralfriedhofes ist so groß wie der 7. und 8. Wiener Gemeindebezirk zusammen. Wenn man das Areal aller in der Verwaltung der MA 43 stehenden Friedhöfe zusammennimmt, so ergibt dies eine Fläche, die den Bezirken 5 plus 9 entspricht.
Bei 17.500 Beerdigungen bzw. Feuerbestattungen jährlich ist die MA 43 tätig.

Die MA 43 sichert insgesamt 600 Arbeitsplätze (inklusive Saisonarbeiter), darunter 220 in der Städtischen Friedhofsgärtnerei (mit acht Standorten) und 20 in der Städtischen Steinmetzwerkstätte. In den beiden Gewerbebetrieben stehen außerdem derzeit insgesamt 33 Lehrlinge in Ausbildung.

Die jährlichen Einnahmen der MA 43 aus Grab- und Friedhofsgebühren sowie Pflegeaufträgen betragen 450 Mio S, rund 70 bis 100 Mio S jährlich schießt die Stadt Wien zu, da die MA 43 - im Interesse und auf Wunsch der Bürgerinnen und Bürger Wiens -auch wirtschaftlich nicht rentable Bereiche pflegt und erhält.****

In diesem Zusammenhang darf an die Volksbefragung über die ehemaligen "Sperrfriedhöfe" im Jahre 1980 erinnert werden, bei der sich 63,13 Prozent der Teilnehmer (28,88 Prozent der damals Wahlberechtigten hatten an der Volksbefragung insgesamt teilgenommen) für eine Bewahrung dieses für die Menschen in Wien so wichtigen Kulturgutes ausgesprochen haben.

Auch am Zentralfriedhof werden große Bereiche gepflegt und bewahrt (z. B. Ehrengräber, Kriegerdenkmäler, Grünflächen, Alleen), in denen keine Einnahmen erzielbar sind, die aber von historischer, kultureller, ästhetischer und ökologischer Bedeutung für Wien und dessen Bewohnerinnen und Bewohner sind.

Zentralfriedhof: Friedhofskirche wird Ende Oktober wieder eröffnet

Die Friedhofskirche zum Hl. Karl Borromäus, eine der bedeutendsten Jugendstilkirchen Europas und ein Wahrzeichen des Zentralfriedhofs, wurde in den vergangenen fünf Jahren auf Initiative und Kosten der Stadt Wien von Architekt Univ. Prof.
Dipl. Ing. techn. Manfred Wehdorn sowohl statisch saniert als auch von Grund auf restauriert.

Das Baujuwel, das von dem damals erst 27-jährigen Max Hegele, einem Mitarbeiter von Otto Wagner, stammt, hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Mai 1908 fand die Grundsteinlegung
statt, 1911 wurde das Bauwerk feierlich als "Friedhofskirche zum
Hl. Karl Borromäus" geweiht.

Im zweiten Weltkrieg wurden Dach und Kuppel durch
Bombentreffer schwer beschädigt. Danach war es aus Kostengründen nicht möglich, die Restaurierung nach Originalplänen zu finanzieren. So präsentierte sich die Kirche 40 Jahre lang als "Kompromiss", möglicherweise mit ein Grund dafür, dass die Bedeutung dieser eindrucksvollen Friedhofskirche als Bauwerk des Jugendstils bisweilen unterschätzt wurde.

Seit 1995 wurden - nach eineinhalbjähriger Vorarbeit -umfangreiche Sicherungsarbeiten und eine Trockenlegung der Kirche vorgenommen. Stiegen mussten saniert, die Emporendecken aus statischen Gründen neu hergestellt und Dächer instandgesetzt bzw. erneuert werden. Außerdem wurde die komplette Elektrik erneuert, die Kirche mit Wärmepumpen und einer Fußbodenheizung temperiert und ein Zugang für RollstuhlfahrerInnen geschaffen.
Im Zuge der umfassenden Restaurierung wurden auch die im 2. Weltkrieg zerstörten Goldglasmosaike wieder hergestellt, und die Innenkuppel, die in den 50er Jahren nach den Kriegsschäden übermalt worden war, wird sich nun wieder im Original-Zustand als eindrucksvoller Sternenhimmel zeigen, für den allein 22.000 aus Blattgold hergestellte stern- und strahlenförmige Elemente händisch angebracht werden mussten.

Die Arbeiten gehen nun in die Endphase und werden noch heuer fertig gestellt. Am Freitag, dem 27. Oktober, soll die Jugendstil-Friedhofskirche zum Hl. Karl Borromäus wieder eröffnet werden und ab dann auch wieder allgemein zugänglich sein.

182 Millionen Schilling wurden von der Stadt Wien für die Sanierung und Restaurierung der Kirche aufgewendet. Damit hat die Stadt Wien einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung von bedeutendem Kulturgut geleistet.

Nach Fertigstellung der Friedhofskirche wird die MA 43 die Planung für die Renovierung der an die Kirche anschließenden Kolumbarien aufnehmen.

Nutzwasserleitung für Zentralfriedhof spart jährlich 150 Millionen Liter Hochquellwasser

Die 120 Jahre alte Wasserleitung auf den Zentralfriedhof entsprach sowohl technisch als auch aus Umweltgründen nicht mehr den Anforderungen. Immerhin werden allein auf diesem Friedhof jährlich 150 Millionen Liter Wasser benötigt. Zum Vergleich: ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt verbraucht im Jahr
150.000 Liter Wasser.

In den vergangenen drei Jahren wird am Zentralfriedhof zum Gießen nicht mehr wertvolles Hochquellwasser eingesetzt. Nach umfangreichen Vorarbeiten und Probebohrungen wurde ein besonders ergiebiger Brunnen gefunden, dessen Wasserqualität für die Verwendung zum Gießen geeignet ist. In einem zwölf Meter tiefen und eine Million Liter fassenden Behälter, der nachts mit Grundwasser gefüllt wird, wird nun dieses Brunnenwasser gesammelt. Der komplette Wasserverbrauch kann so gedeckt werden.

Das Wasserleitungsnetz des Zentralfriedhofes, das 36 km lang ist und rund 270 Wasserentnahmestellen hat, wird - nach Bedarf und im Rahmen der budgetären Möglichkeiten - sukzessive erneuert.

Auch andere städtische Friedhöfe werden bereits seit einigen Jahren mit Grundwasser versorgt, und zwar Stammersdorf Zentral, Siebenhirten und Kagran. Die Vorbereitungen für die Versorgung weiterer städtischer Friedhöfe (Aspern, Jedlesee und Atzgersdorf) mit Grundwasser sind bereits im Gange.

Umweltfreundliche Elektrofahrzeuge wahren die Friedhofsruhe

Seit 1990 hat die MA 43 Elektrofahrzeuge im Einsatz, die sich bestens bewährt haben.
Der E-Fahrzeugpark umfasst inzwischen 57 Fahrzeuge, die auf allen städtischen Friedhöfen im Einsatz sind, darunter 53 E-Karren, 2 Golfwagerln und 2 E-Stapler.

Eine Million Pflanzen werden am Zentralfriedhof "produziert"

Die als Gewerbebetrieb geführte Städtische Friedhofsgärtnerei produziert in ihren modernst ausgestatteten Glashäusern mit computergesteuerter Heizung, Lüftung, Düngung und Schattierung (alles Maßnahmen, um die Produktivität zu steigern) allein auf dem Zentralfriedhof jährlich eine Million und in der Niederlassung auf dem Süd-West-Friedhof eine weitere Viertelmillion Pflanzen.
Mit diesen Pflanzen werden jene Gräber geschmückt, mit deren Pflege die Städtische Friedhofsgärtnerei von Hinterbliebenen beauftragt wurde, außerdem werden Pflanzen auch direkt an Friedhofsbesucher verkauft. Weitere Aufgaben sind die Dekoration
der Aufbahrungshallen und die Pflege der rund 1.300 Ehrengräber sowie aller Grünflächen.

Umfangreiches Alleebaum-Austauschprogramm

12.000 Bäume in Alleen und Baumreihen auf den 46 Städtischen Friedhöfen werden von der MA 43 betreut. Allein auf dem Zentralfriedhof befinden sich rund 5.500 Alleebäume.
Viele dieser alten Alleebäume sind leider im Laufe der Zeit innen morsch und daher zu einem Sicherheitsrisiko geworden.

Da man bei Alleen aus ästhetischen Gründen und auch wegen der - wie Erfahrungen gezeigt haben - sonst ungünstigen Licht- und Wachstumsverhältnisse für junge Bäume - nicht nur einzelne Bäume austauschen kann, werden die Alleen - in Abstimmung mit der für Umweltschutz zuständigen MA 22 und der MA 42 (Stadtgartenamt) -
bei Bedarf komplett saniert. In den letzten fünf Jahren hat die MA 43 allein auf dem Zentralfriedhof rund 1.600 Bäume ersetzt.

"Park der Ruhe und Kraft" wurde neuer Anziehungspunkt

Der im Vorjahr nach Plänen von Architekt Prof. Christof Riccabona eingerichtete "Park der Ruhe und Kraft" im Bereich der Gruppe 23 auf dem Wiener Zentralfriedhof hat sich als starker Anziehungspunkt für Besucher erwiesen. Der Park ist in der alten Tradition der Geomantie und Gartengestaltung angelegt und stößt auf breites Interesse. Das beweist, dass die Wienerinnen und
Wiener auch neuen Wegen in der Friedhofsgestaltung durchaus aufgeschlossen gegenüber stehen.

Neue Broschüre über Zentralfriedhof vor Fertigstellung

"Der Wiener Zentralfriedhof - Ein Friedhof für alle Religionen" ist der Titel einer neuen Broschüre, die derzeit in Produktion ist. Die Broschüre soll den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern einen Überblick über die wichtigsten historischen Fakten und über die auf dem 2,5 Millionen m2 großen Areal liegenden Friedhofsbereiche und die wichtigsten Grabdenkmäler geben. Der Text der Broschüre wird auch in den wichtigsten Fremdsprachen aufgelegt. Rund drei Millionen Menschen haben auf
dem Zentralfriedhof, der am 1. November 1874 offiziell eröffnet wurde, in den letzten 126 Jahren ihre letzte Ruhestätte gefunden. (Schluss) emw/

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Elga Martinez-Weinberger
Tel.: 4000/81 844
e-mail: emw@gfw.magwien.gv.atPID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK