"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Die Entschädigung" (von Claus Reitan)

Ausgabe vom 8. 7. 2000

Innsbruck (OTS) - Vorgestern Berlin, gestern Wien: Deutschlands Bundestag und Österreichs Nationalrat beschlossen taugliche Gesetze, um die noch lebenden Zwangsarbeiter der NS-Zeit für Leid und Unrecht zu entschädigen. Somit wird eine moralische Bringschuld endlich eingelöst. Das wirkt befreiend, ist aber nicht alles, was in dieser Sache zu tun und zu sagen ist.

Verbrechen und Katastrophe des Nationalsozialismus brauchten zwei Generationen, um einigermaßen überwunden zu werden. Jene Härte und Konsequenz, mit der die Mitverantwortung dafür in Österreich jahrelang zur Seite geschoben wurde, entsprach der Tiefe der Mitschuld. Die Taten des NS-Regimes wurden erst sichtbar, als die vielen Mittäter den Blick dafür nicht mehr verstellen konnten. Und die Verbrechen wurden erst aufgearbeitet, als eine junge Generation ihr Erbe vor Übernahme kritisch bilanzierte.

Manch moralische Einsicht mag erst unter Druck ausgelöst worden sein. So hat etwa US-Anwalt Ed Fagan, in Tonart und Forderungen stets überschießend, ein Mitverdienst an der Lösung, ohne daran zu verdienen, was ihm viele vergönnen.

Österreichs politische Führung, allen voran Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, haben ohne Wut und Selbstmitleid sich den Forderungen der überlebenden Zwangsarbeiter gestellt. Die Regierungsbeauftragte Maria Schaumayer hat rasch und professionell verhandelt. Es liegt an der US-Administration, nun für österreichische Unternehmen in Übersee Rechtsfrieden und Rechtssicherheit zu garantieren. Das ist die berechtigt einforderbare Gegenleistung bei Erfüllung einer Bringschuld. Diese ist übrigens nicht zur Gänze abgetragen, denn die Folgen der Arisierung sind noch nicht vollständig behoben. Daran ist noch zu arbeiten.

*** OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER

VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS ***

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0512/5354 DW 601¶

Tiroler Tageszeitung,

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT/OTS