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"Emissionen: Raiffeisen soll vor der eigenen Tür kehren" von Roland Mayrl

Wien (OTS) - Die Raiffeisenlandesbank NÖ/Wien weiss, worauf es bei Emissionen ankommt. Das Finanzinstitut kritisierte vor wenigen Tagen die Vorgangsweise der österreichischen Banken und propagierte die "gläserne Emission" nach deutschem Vorbild. Die Art, wie Aktien von Börseneulingen an den Mann gebracht werden, sei hierzulande, so hiess es, nicht nachvollziehbar und schade somit dem Finanzplatz Wien -zweifellos ein Seitenhieb auf die im Investmentbanking führende Konkurrenz von Erste Bank und CA-IB. Die Forderung der RLB: In einer Art Gentlemen's-Agreement sollten sich die Banken zu mehr Transparenz bei der Zuteilung von Aktien bekennen. Eine an sich gute Idee. Schliesslich ist so mancher Kleinanleger frustriert, wenn er bei vielversprechenden Börsegängen ständig durch die Finger schaut und nicht einmal weiss, warum, geschweige denn, wie er es beim nächsten Mal besser machen könnte. Nicht selten kann er sich dann raketenhafte Börsestarts ansehen und ausrechnen, wieviel er damit verdiend hätte. So lobenswert die Initiative der RLB auch ist - just zwei Tage nach ihrem Vorstoss hat sich mit der RZB quasi das eigene Haus (immerhin ist die RLB NÖ/Wien der wichtigste Gesellschafter der RZB) einen ebensolchen faux-pas geleistet: Als Leadmanager von Feratel hat die RZB erst drei Tage nach Beginn der Zeichnungsfrist und somit zu einem Zeitpunkt, in dem die Emission bereits voll im Gange war, festgelegt, dass man bei den Privatanlegern nach dem Prinzip "wer zuerst kommt, mahlt zuerst" vorgehen wird. Die Regeln für die Privatanleger wurden also erst mitten im Spiel bekanntgegeben - warum nicht schon zu Beginn der Zeichnungsperiode, wird wohl für immer ein Geheimnis der RZB bleiben. Für die, von der Raiffeisenlandesbank geforderte Transparenz bei Aktien-Emissionen ist dies jedenfalls mit Sicherheit ein weiterer Schlag ins Gesicht. Ein bitterer Beigeschmack bleibt auch dem Unternehmen. Ausgerechnet Feratel-Aufsichtsratschef Peter Schröcksnadel - als ÖSV-Präsident ein Mann, der in der Öffentlichkeit steht - hat sich nun wohl unschuldigerweise den Unmut vieler Anleger zugezogen. Bedanken kann er sich dafür bei der RZB. Fazit: Für Unternehmen wie Feratel gilt: Gut prüfe, wer sich an eine Emissionsbank bindet. Und bei Raiffeisen sollte man zuerst vor der eigenen Tür kehren, ehe man andere kritisiert. (Schluss)

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