Ludwig: Expertinnen warnen vor zusätzlichen Konflikten durch gemeinsame Obsorge

Wien (SPW) "Gerade in Gewaltbeziehungen verzichten Frauen oft auf vieles, nur um ihrer schrecklichen Situation zu entrinnen. Durch die von der Bundesregierung geplante Änderung im Kindschaftsrecht wird noch mehr Druck auf die Frauen ausgeübt", kritisierte die Vorsitzende des Vereins Wiener Frauenhäuser, Landtagsabgeordnete Martina Ludwig am Donnerstag den Regierungsplan der gemeinsamen Obsorge. In einem gemeinsamen Pressegespräch mit Frauenstadträtin Renate Brauner und Wohnbaustadtrat Werner Faymann, in dem das Projekt "Viertes Frauenhaus" vorgestellt wurde, verwies Ludwig auf die Erfahrungen der Mitarbeiterinnen der Wiener Frauenhäuser mit Kindern aus Gewaltbeziehungen: "Alle Expertinnen warnen davor, dass durch die gemeinsame Obsorge Kindern noch mehr seelisches Leid zugefügt würde, weil Konflikte auf ihrem Rücken ausgetragen werden könnten." Die Bundesregierung sei dringend aufgerufen, diese schwerwiegenden Argumente von Fachfrauen zu berücksichtigen und das Kindschaftsrecht daher nicht in der geplanten Form zu ändern. ****

"Wenn die Eltern gut miteinander auskommen, gibt es jetzt schon die Möglichkeit, Entscheidungen gemeinsam zu treffen sowie gemeinsam und einvernehmlich für die Kinder zu sorgen", so die Landtagsabgeordnete. Durch eine Änderung des Kindschaftsrechts würde in einer ohnehin schon konfliktgeladenen Situation zusätzlicher Druck erzeugt, die Leidtragenden seien letztendlich die Kinder. Die Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser seien Expertinnen im Umgang mit Gewalt an Kindern. In jedem Wiener Frauenhaus stünden zwei Kinderbezugsfrauen zur Verfügung, die den Kindern nach dem Erlebten helfen würden, informierte Ludwig.

Wie wichtig die Errichtung eines vierten Frauenhauses in Wien sei, beweise die Statistik des Tätigkeitsberichtes des Vereins Wiener Frauenhäuser für 1999, der in dem Pressegespräch vorgestellt wurde. Demnach haben im Vorjahr 393 Frauen und 365 Kinder in den drei Wiener Frauenhäusern Zuflucht gefunden. 366 Platzanfragen mussten wegen Platzmangel abgelehnt und die Frauen sowie die Kinder kurzfristig in anderen Institutionen untergebracht werden. Durch die Errichtung des vierten Frauenhauses könne die Aufnahmekapazität der Frauenhäuser um 50 Prozent erhöht werden. "Wien unterscheidet sich von den anderen Bundesländern dadurch, dass die Frauenhäuser einen fixen Budgetbestandteil darstellen. Gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die Bundesregierung den Sparstift bei diversen Fraueneinrichtungen ansetzt, sollte das positive Wiener Beispiel in den anderen Bundesländern Schule machen"; so Ludwig abschließend. (Schluss) gd

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